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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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über dem im Grvßherzogtum bestehenden Systeme der indirek-ten Steuern geführt habe. Da der württembergischc ultramon-tanc Demokrat Probst in diesem Antrage eine Beeinträchtigungder süddeutschen Souveränität entdeckte und mit der Lawinedrohte, die an den Bergen über Dentschkand hänge, führtedas zu einer der bewegtesten und stolzesten Kundgebungen,welche die Geschichte des deutschen Parlamentarismus zu ver-zeichnen hat. Bisinarck rief dem Schwaben entgegen:DerAppell an die Furcht hat in deutschen Herzen niemals Wir-kung", und der gefeiertste Redner Süddentschlands, Volk, ver-kündete:Jetzt ist Frühling geworden in Deutschland ". Bam-bergers Antrag drang darauf leicht durch.

Aber nicht nur mit den Angelegenheiten seiner engerenHeimat beschäftigte sich der Abgeordnete von Mainz im Zoll-parlamente. Sein Sinn war auf Höheres gerichtet. Er warfsich auf die Frage, mit der dann später sein Name für im-mer verbunden bleiben sollte, auf die deutsche Münzreform.Diese war schon von dein deutschen .Handelstage auf BetreibenDr. Ad. Soetbecrs hin angeregt worden, und eine auf siebezügliche Petition lag dem Zollparlamente 1869 vor. Einekleine Fraktion süddeutscher nationalgesinnter Abgeordneternahm sich ihrer besonders warm an und trat für dieHerstellung der Münzeinheit auf Grund des Dezimalsystemsund für die Anbahnung der Goldwährung, womöglich nachVerständigung mit den übrigen Nationen über sie, ein. Alleines fehlte die Zeit, diese schwerwiegende Petition in einerihrer würdigen Weise zu behandeln. Da der Schluß des Par-laments auf den 22. Juni festgesetzt war, so beschränkte sichBamberger darauf, an diesem Tage mit wenigen Worten diePetition zu empfehlen und eine Fürsprache für die Jnbetracht-nahme der Goldwährung einzulegen. Seine Worte fielen aufso guten Boden, daß die verbündeten Regierungen aufgefordertwurden,sich endlich einmal mit einer deutschen Münzreformernstlich zu befassen" (Ges. Sehr. IV, 177). Dazu waren sieauch gern bereit. Hatten sie doch schon durch Beschluß vom