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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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und zur Überzeugung gelangen, daß auch für Bismarck , nachmehr als für ihn, die Dinge ganz anders gekommen seien,als er sie sich je gedacht habe? Aber nur mit kümmerlicherGenugtuung hat ihn das erfüllt, namentlich da er die Schuldvor allem weniger in der Hybris des einen,als in dermangelhaften politischen Veranlagung des deutschen Bürger-tums" erkannte (Bismarck Posthumus S. 63). In der Hoff-nung auf dieses hatte er sich allerdings in der Zeit starkgetäuscht, als ihm Bismarck im Jahre 1868 im Zollparlamentzu seinem ersten parlamentarischen Siege verhalf.

IV.

Bambergcr war der in: November 1866 von seinenFreunden von Unruh usw. gegründeten nationalliberalen Frak-tion beigetreten. Bald gehörte er zu deren einflußreichstenMitgliedern. Zwei Fragen besonders zu betreiben, lag ihn:sofort nahe. Der Wahlkreis, in dem seine Wiege gestandenhatte, gehörte zu dem Großherzogtum Hessen dessen poli-tische Lage durch die Ereignisse von 1866 wie keine andereeines deutschen Staates zu einer monströsen geworden war.Halb zum norddeutschen Bund gehörig, halb außer ihmliegend, durch eine Militärkonvention ganz an Preußen gekettetund durch das Zollparlament mit dem übrigen Deutschland verbunden, war es gänzlich zerrissen. Nichtsdestoweniger be-hauptete sich in ihm unter dem Minister von Dalwigk einRegiment, das zu den antinationalsten von ganz Deutschland gehörte. Das war für den Unitarier Bambergcr Grund ge-nug, immer von neuem auf die Unhaltbarkeit dieser Zuständehinzuweisen. Konflikte zwischen der Gesetzgebung des Groß-herzogtums und der des Zollvereins blieben nicht aus. MitBezug auf einen solchen stellte Bambergcr am 18. Mai 1868im Zollparlamente den Antrag, den Bundesrat des Zoll-vereins zu ersuchen, den Beschwerden abzuhelfen, zu denen dieHerabsetzung der Weinzölle durch das Zollparlament gegen-