235
möglich, sv dachte er wohl mit Machiavelli , den er so eifrig studierthatte:
Wenn Unheil naht,
Wohl naht's zu jeder Stunde,
Schling es hinab wie bittere Arzenei:
Ein Tor ist's, der sie kostet mit dem Munde.
Und wenn er am Ende seiner Tage auf die Entwicklungdes deutschen Reiches in seinen ersten drei Jahrzehnten zu-rückblickte, durfte er dann nicht trotz so vielem, das ihm umdes Vaterlandes willen nicht gefiel, doch mit einigem Selbst-gefühl sagen, daß er das Kommen davon bestimmt, wennauch nicht in so schreckhafter Ausdehnung, vorhergesagt habe?Im Jahre 1868 (Herr von Bismarck S. 127) hatte er inscherzhaft-warnendem Tone geschrieben: „Aber gesetzt, der sieg-beladene Gebieter dächte in der parlamentarischen Verfassungauch nur seine Magd geheiratet zu haben, welche ihm zuHause bescheiden im Kleinen dienen sollte, damit er draußenim Großen erobere, so sollte er nicht vergessen, daß selbst werseine Magd znm Weibe nimmt ihr von Rechts- und Natur-wegen um seiner selbst willen ebenbürtigkeitsgemäße Achtunggelobt, und daß die gemeinsame Nachkommenschaft nur ver-wildern und verwahrlost werden kann, wenn die Mutter imHause nicht geehrt wird." Und als nun der Schöpfer desdeutschen Reiches am Ende seiner politischen Laufbahn sichauf immer von dem deutschen Reichstage trennen mußte, indem „die Reichsfeinde", das Zentrum, schon seit Jahren„Trumpf" geworden waren, die Sozialdemokraten in hellenHaufen saßen und das Nesthäkchen des alten Kanzlers, dieagrarische Demagogie, mit allen Untugenden eines verzogenenKindes sich breit machte, als der deutsche Reichstag an jenemMärztage 1890 lautlos und still die Abdankung seines Ur-hebers einfach zur Kenntnis nahm, und dieser tief grollendnach dem Sachsenwalde abfuhr, durfte sich da nicht Bam-berger fragen: Ist diese unter deiner Pflege erwachsene Nach-kommenschaft in der Tat nicht verwildert und verwahrlost?