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nicht entsprechen. Litten sie doch natürlich unter der Nach-wirkung „der alles Maßes spottenden Ereignisse" des Vor-jahres erheblich. Um ihnen gegenüber den rechten Maßstabfinden zu lassen, schrieb daher Bamberger in Holtzendorffs„Jahrbuch für die Gesetzgebung des deutschen Reichs" 1871eine Art räsonnierenden Bericht über sie, der weit entferntvon der Lebhaftigkeit der „Vertraulichen Briefe aus dem Zoll-parlamente", fast geschäftsmäßig belehrenden Inhalts ist unddie Beschlüsse des Reichstags von dem Standpunkte der Ma-jorität aus beleuchtet.
Bedeutender als iu der ersten Reichstagssession war dieTätigkeit und das persönliche Eingreifen in die parlamenta-rischen Verhandlungen von feiten Bambergers in der zweiten,die vom 16. Oktober bis zum 1. Dezember dauerte. Kamdoch in ihr eine Frage zur Entscheidung, in der im Parla-ment kein anderer so kompetent war als eben er. Am 7.November erfolgte die Vorlage des Münzgesetzes für dasdeutsche Reich. Am 17. und 18. November war die zweiteund am 23. die dritte Lesung. Es ist hier gewiß nichtder Ort, die Tätigkeit zu schildern, welche Bamberger für dieDurchdringung und Ausgestaltung des neuen Münzgesetzesim Reichstage entfaltete, und auch nicht nötig, die zahlreichenAufsätze, Reden und Journalartikel, in denen er für das-selbe gegen die Angriffe, namentlich von feiten der Feindeder Goldwährung, bis an sein Lebensende durchaus sieg- underfolgreich eintrat, im einzelnen aufzuzählen. Es würde dashier einen zu großen Raum beanspruchen und ist zur Zeit auchum so weniger notwendig, als wir in dem vortrefflichen, allesNötige aktenmäßig belegenden Buche von K. Helfferich , Geschichteder deutschen Geldreform, schon hierüber unterrichtet siudZ.
1) Seitdem dieses geschrieben ist, hat Helfferich sich um das An-denken B.'s dadurch verdient gemacht, daß er eine Sammlung vondessen parlamentarischen Reden über Währung und Bankwesen miteiner großen Einleitung: „Bamberger als Währungspolitiker" heraus-zugeben begonnen hat.
Hartwig, Aus dem Leben.
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