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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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Nur das Schlußurteil dieses Autors, iu dem er dieVerdienste Bambergers zusammenfaßt und darauf mit deneneines anderen ausgezeichneten Münzpolitikers, des Dr. Soct-bcer, vergleicht (S. 175), mag hier eine Stelle finden:ImReichstage hatte die Goldwährung an Ludwig Bambcrgereinen energischen, sachkundigen und gewandten Vertreter,dessen Autorität auch von seinen Gegnern wenigstensdamals noch völlig anerkannt wurde. Seine führendeStellung in der stärksten Partei des damaligen Reichstages,seine Beredsamkeit und schließlich auch das Ansehen, welcheser bei den leitenden Männern der Reichsregierung, insbeson-dere bei Delbrück und bei Bismarck selbst genoß, sicherten ihmeinen großen Einfluß auf die Münzgrsetzgebung."

Konnte Bamberger mit dem Erfolge auf diesem Gebieteseiner Tätigkeit durchaus zufrieden sein, so nicht weniger aufeinem anderen, das hiermit aufs engste verknüpft war.Um die Münzfrage, über welche keine allzu große Meinungs-verschiedenheit damals, weder bei den Regierungen noch inner-halb des Reichstages, bestand, vorwärts zu bringen, hatteman die Reform des Papiergeldes und der Notenbankenzurückstellen müssen. Nachdem aber jene gelöst war, galt es,auch diese unter Dach zu bringen. Und hierbei hat auchwieder Bambcrger die größten Dienste im Interesse der Sacheund der Verwirklichung der Reichseinheit geleistet. Der preu-ßische partikularistische Fiuanzminister Camphausen wollte nichtsvon einer Reichsbank, welche das zentrale Geldinstitut Deutsch-lands bilden sollte, wissen, sondern strebte eine Erweiterungder Preußischen Bank an. Als aber nach Erledigung derPnpiergeldfrage im Mai 1874 ein hierauf gerichteter Gesetz-entwurf nach langen Beratungen, deren Gcheimgeschichte unsBamberger in seinen beiden Aufsätzen:Zur Embryologie usw."undZur Geburt des Bankgesetzes" erzählt hat (Ges. Schr.IV, 251 u. f. und 277 u. f.), dein Reichstage endlich zuging,und im November 1874 zur Verhandlung kam, beschloßdie vom Reichstage znr Vorberatnng eingesetzte Kommission