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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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nach einerbedeutenden" Rede Bambergers die Schaffungeiner deutschen Reichsbank. Auf die Anträge dieser Komis-sion hin, als deren Referent Bambergcr fungierte, erklärtesich dann der Reichstag in dritter Lesung für die Schöpfungeiner deutschen Reichsbank (30. Januar 1875). Der Bundes-rat ließ sich überzeugen und am 14. März 1875 wurde dashierauf bezügliche Gesetz vom Kaiser vollzogen. Mit Rechtdurfte Bambergcr damals schreiben:Der Parlamentarismusist am Ende doch nicht jenes fünfte Rad am Wagen, alswelches eine wohlfeile Kritik ihn zu verspotten liebt", undnach dem fünfzehnjährigen Walten der Reichsbank konnte er vondem Werke sagen, daß die kühnste Erwartung von ihm keinenbesseren Erfolg hätte verlangen können (Ges. Schr^ V, 229).Und abermals zehn Jahre später hat man nach seinem Todenur Unwesentliches daran zu ändern gewußt. Selbstverständ-lich hätten Bambergcr und seine politischen Freunde diesenErfolg nicht erringen können, wenn sie nicht von dem Bundes-kanzleramte unterstützt worden wären, und Bismarck sie nichthätte gewähren lassen. In der ersten Hälfte der siebenzigerJahre vollauf von dem sogenannten Kulturkämpfe in Anspruchgenommen, mit den Polen und den Sozialisten beschäftigt,zeitweise auch von schmerzhaften körperlichen Leiden ergriffen,überließ Bismarck dem Minister Delbrück die Bearbeitungder inneren Reichsangelegenheiten: namentlich die der handels-politischen und Währnngsfragcn. Es war damals bei derRegierung und der Reichstagsmehrheit noch der Geist lebendig,der bei der Schaffung des Reiches gewaltet hatte. Denndarauf hatte die Größe dieser Zeit beruht, daß sich in ihrdie verschiedensten und kräftigsten Individuen zur Erreichungeines Zieles, zur Durchsetzung eines Zweckes zusammen-gefunden hatten. Dieses war nur dadurch möglich geworden,daß man einander gegenseitig Konzessionen gemacht hatte.Man wird es in der menschlichen Natur begründet finden,daß die Neigung hierzu nicht dauernd eine gleichmäßige blieb,namentlich wenn die einen glaubten, die anderen entbehren

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