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wohl noch freiwillig onf ihre Reservatrcchte verzichten. DenPlan, die Eisenbahnen im Interesse des Reiches zu verstaat-lichen, hielt übrigens Bamberger, der hierüber eine langeUnterredung mit Bismarck hatte, für undurchführbar. Be-kanntlich ist das Projekt nicht an dem Widersprüche desReichstags, sondern dem der Einzelregierungen gescheitert.Die Ansichten über die Verstaatlichung der Bahnen warendamals auch noch sehr ungeklärt und keineswegs zur Partei-frage geworden. Bekannte sich doch z. B. Herr von Kardorff,sonst einer der schärfsten Widersacher Bambcrgcrs, als prin-zipieller Gegner der Verstaatlichung. Allmählich wurden aberdie Gegensätze zwischen Bismarck und Bamberger und seinennächsten Freunden unüberbrückbar. Denn Bismarck vollzogallmählich seit 1874 eine Wendung in seiner gesamten in-neren Politik, welche, scharfsichtigeren Kennern seiner Methodevorzugehen durch die Entlassung Delbrücks (1876) schon ganzdurchsichtig geworden, seit 1878 mit der ihm allein eigenenEnergie und Rücksichtslosigkeit so durchgeführt wurde, daß nurdie, welche in solchen Fragen keine eigene wohlerwogene Mei-nung hatten, ihm zu folgen imstande waren. —
Es kann hier nicht einmal versucht werden, die gesamteparlamentarische Tätigkeit Bambergers von der Zeit an, wodieser Gegensatz gegen die neue Bismarcksche Wirtschafts-politik sich herausbilden mußte und seine politische Stellungimmer stärker beherrschte, in ihren Einzelheiten darzustellen,llm diese Kämpfe vollkommen klar zu legen, die sich auf denGebieten der Zoll-, Währnngs-, Kolonial- und Sozialpolitikabspielten, müßte man sonst eine Geschichte der gesamtenReichspolitik bis zum Rücktritte des ersten Reichskanzlersschreiben. Ebensowenig kann hier auf eine Würdigung dieserOpposition tiefer eingegangen und ihre Berechtigung ein-gehend untersucht werden. Es würde hierbei das Urteilnur von dem persönlichen Standpunkte, den man zu den ein-zelnen Fragen einnimmt, abhängen. Denn ein objektives, ab-schließendes Urteil über eine ganze Reihe von Fragen läßt