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schutzzöllnerische Anwandlungen gehabt. Jetzt fand er diedamals als ganz revolutionär angesehenen Lehren von deutschenTheoretikern wissenschaftlich begründet und salonfähig gemacht.Unter dem Titel: „Zeitströmungcn in der Wirtschaftslchre"hatte er 1872, 1873 und 1874 in der Beilage zur „AllgemeinenZeitung" über den Wechsel, der in den sozialpolitischen An-schauungen Platz gegriffen hatte. Bericht erstattet und sichgegen ihn ausgesprochen. Jetzt schien ihm nun der Reichs-kanzler die Theorien der Sozialisten oder sogenannten Katheder-sozialisten mit allerlei Hintergedanken und Nebenabsichten indie Praxis des Staatslebens einführen zu wollen. Er warein Gegner des Sozialismus in seinen verschiedenen Formen,weil er in ihm den schlimmsten Feind der individuellen Frei-heit und eine Gefahr für die richtige Absteckung der Grenzender Staatsgewalt und der bürgerlichen Gesellschaft erblickte.Die Initiative der Einzelnen im Erwerbsleben, die spontaneTätigkeit und die Energie des Bürgertums den vom Staatebegünstigten regierenden aristokratischen Klassen gegenüber, dasGefühl der Verantwortlichkeit für die Ausgestaltung der eigenenLebensgeschicke schienen ihm unter den sozialpolitischen Pro-jekten des Reichskanzlers leiden zu müssen. Und würdensie, durchgeführt, dem angedrohten Umstürze der bürgerlichenOrdnung einen festen Halt entgegenstellen? Das Gegenteilerschien wahrscheinlicher. Denn die sozialdemokratischen Agi-tatoren würden nur ein neues Argument aus ihnen für sichziehen, indem sie die neuen Einrichtungen nur als einen Aus-fluß des bösen Gewissens der herrschenden Klassen dem Pro-letariate gegenüber hinstellten. Die Gesellschaft, nicht derStaat, die private und kommunale Tätigkeit habe gegen dieNotstände in den niederen Volksschichten anzukämpfen, undwenn man jetzt von der Betätigung des „praktischen Christen-tums" durch den Staat rede, so treibe man mit ihr dasGegenteil der wahren Armenpflege, indem man sie zu einergesetzlichen, erzwungenen mache. Von Humanität und christ-licher Mildherzigkeit sei bei ihr gar nicht mehr die Rede.