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derselben verleideten nnn Bamberger ganz die parlamentarischeTätigkeit. War er doch auch nicht mehr so widerstandsfähigals früher. Der plötzliche Tod seines Freundes Heinrich Horn-berger (1860), dem wenige Monate darauf der seiner Schwester,Frau M. Brcal in Paris , nachfolgte, hatte ihn tief erschüttert.Ein unangenehmes körperliches Leiden, das ihm die Ruheraubte, plagte ihn noch dazu. Davon befreit, befiel ihn imFrühjahre 1898 eine anfänglich recht bedrohlich auftretendeAugenkrankheit, die jedoch wieder glücklich gehoben wurde.Alles das wirkte zusammen, um ihn müde zu machen. Am9. April 1893 schrieb er mir: „Meine Kampfeslust ist nichtmehr gar groß und ich fühle auch wohl etliche Versuchungmich auf den bewußten Meilenstein zu setzen. Aber es wirdeinem sehr schwer gemacht, anszusteigen. Meine Wähler habenbereits angekündigt, sie würden meine Kandidatur noleimvolens wieder aufstellen, und mich davon dispensiert, selbstauf dem Schlachtfelde zu erscheinen." Ich glaubte ihm zu-reden zu sollen, ihrem Rufe von neuem zu folgen. EinenMonat später schrieb er mir jedoch fest entschlossen, sich ganzaus dem parlamentarischen Leben zurück zu ziehen: „TausendDank für Ihren lieben Brief. Sie werden inzwischen ausden Zeitungen ersehen haben, daß ich doch gehe. Um meinertreuen Wähler willen, die ich damit überraschte, schmerzt esmich. Aber dieser letzte scheußliche Vorgang in der Fraktionschlug dem Faß den Boden aus. Ich hatte schon langeLiebe, Glauben und Hoffnung zur Sache verloren. Nun istsie mir zu widerwärtig geworden. Und gerade der Anti-
semitismus treibt mich mit fort. Wenn sie die letzten vierMonate an meiner Stelle gesessen Hütten, würde auch Sieder Ekel und Abscheu, nicht vor den Böckcl und Liebcrmann,sondern vor den drei Vierteln der sämtlichen Kollegen, diedas gar nicht stört, ergriffen haben. Doch sage ich das nichtlaut, um die Methode nicht zu unterstützen. Meine schwacheKonstitution deckt ja alles. Wäre es eine Lust dabei zu sein,ich könnte noch ganz gut meinen Mann stehen. Aber ich