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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
269
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käme mir fast wie ein Narr vor, wenn ich mir Arbcik zu-mutete mehr Sishphism als je, um noch freudloseruud innerlich verstimmter als je zuvor das undankbare Hand-werk fortzusetzen."

VI.

So hat die parlamentarische Tätigkeit Bambergers, denTheodor Mvmmsen in seinem Nachrufe einen der glänzendsten Red-ner des neunzehnten Jahrhunderts genannt hat, keinen harmo-nisch ansklingenden Abschluß gefunden. In Deutschland ist dasBürgertum nicht dankbar gegen seine Vertreter, uud mandarf sich manchmal Wundern, daß sich noch immer uninteressierteLeute finden, die für es in den Parlamenten eintreten mögen.Der Staat erweist seine Ehren nur denen, die im Diensteder Regierung und in Übereinstimmung mit ihren jeweiligenTendenzen ihren Beruf als Volksvertreter auffassen. Nun,nach diesen Ehren und nach Befriedigung persönlicher Inter-essen hatte Bamberger nicht gestrebt, als er sich 1K67 in dasparlamentarische Leben hineinstürzte,um das übel gelitteneWort der Einigung zu predigen." Aber eine ganz andereEntwicklung der Dinge hatte er sich doch für die Zukunftversprochen. Das Reich war aufgerichtet. Dabei hatte Bam-berger die unerwartetsten Erfahrungen gemacht. Denn daßdie früher von ihm so scharf angegriffenen Regierungen derkleinen Einzclstaaten sich rcichsfreundlicher und liberalen Ideenfast freundlicher gesinnt erweisen würden als der zu vollerHerrschaft in Preußen und Deutschland gekommene kleineAdel, daß die Regierungen überhaupt im großen und ganzensich verständiger zeigen würden als die Majoritäten der Par-lamente, das hatte er nicht für möglich gehalten, lind daßman ihm bald offen, bald versteckt seine Abkunft, seine Ver-gangenheit und seine Bestrebungen in einem Tone vorhaltenwerde, der ihn nur kränken und beleidigen konnte, das hatteerst recht ganz außerhalb der Voraussicht des optimistisch ge-sinnten, sich der Ehrlichkeit seiner Absichten und seiner nicht