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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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auch ich würde mich diesem Vcrdammuugsurteile anonymerSchriststellerei nicht ausgesetzt und diese au Sie adressiertenBriefe nicht gleichsam vaterlos abgeschickt haben, wenn nichtäußere Umstände das so erforderten. Ich bin nämlich preu-ßischer Beamter. Und wenngleich der Inhalt dieser Briefenicht gegen Preußen, oder das gegenwärtige Ministerium alssolches, oder gar gegen die von dessen leitendem Staats-manne vertretene äußere Politik gerichtet ist, so werde ichdoch so viele Ausstellungen an Regierungsmaßregeln zu machenhaben, daß mir bei den in Preußen über Subordination herr-schenden Staatsmaximen nur die Alternative übrig bleibt,Sie entweder gar nicht mit diesen Zeilen zu behelligen odermich allerlei ernsten Unannehmlichkeiten auszusetzen. Da ich

Preußen augenblicklich besser gestaltet, als es noch vor wenigenWochen den Anschein hatte, so lasse ich doch diese Briefe bis aufKleinigkeiten unverändert noch einmal wieder abdrucken, um sieauch in Kreise zu bringen, denen dieWeser-Zeitung" nicht zugänglichist. Dennund das ist der einzige Vorteil, welchen die anonyme Schrift-stellerei mit sich bringt ich habe selbst so viele unbefangene münd-liche Urteile über dieselben gehört, die besagten, daß die Stimmung,die in den von Preußen neuerworbenen Provinzen entschiedenvorherrsche, hier ganz richtig und treu wiedergegeben sei. Hieraufaber alle die hinzuweisen, und wiederholt hinzuweisen, welche esangeht, schien mir eine Pflicht zu sein, die, so unangenehm sie seinmag, doch darum nicht aufhört, eine Pflicht zu sein. Denn ich fürchtenicht, daß noch viele andere wie die Redaktion derNeuen PreußischenZeitung " aus ihnen herauslesen werden, in den neuen Provinzenhabe das Volk im Grunde zu den preußischen Beamten viel mehrVertrauen und Neigung, als zu seinen bisherigen Führern. Daßden Kreuzzeitungsmännern meine Art zu sehen und darzustellen nichtzusagen werde und sie darum sich in ihrer Weise über meine Briefehermachen würden, wußte ich vorher. Aber ich hatte doch nicht ge-glaubt, daß sie so unfähig seien, anderer Leute Gedanken richtigwiederzugeben, wie sich bei dieser Gelegenheit herausgestellt hat. Inder Zuversicht, daß eine solche babylonische Sprachverwirrung nochnicht allgemeiner um sich gegriffen hat, mögen die vier Sendschreibennoch einmal ihren Weg in das große Vaterland nehmen und sichGehör suchen bei allen, denen es mit der Liebe zu ihm, und nurzu ihm, wahrhaft ernst ist. Pfingstsonntag 1870. Der Verfasser.