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nun nicht schweigen mag, weil mir meine Pflicht als Bürgerdes preußischen Staates in diesem Falle sittlich höher zustehen scheint, als die des Beamten, ich mich aber auch nichtin der Lage befinde, sofort mein Amt zu quittieren, so mußich deu Ausweg ergreifen, Ihnen diese Briefe anonym, wennauch von der Flagge der „Weser-Zeitung" gedeckt, zuzusenden.Wird aber schon der Umstand, daß Ihnen gegenüber die„Weser-Zeitung" die Verantwortung für meine Worte über-nimmt, dazu wesentlich beitragen, der Anonymität den odiösenBeigeschmack zu nehmen, der ihr einmal anklebt, so hoffe ichnoch dazu, daß der Inhalt meiner Briefe Ihnen vollends be-weisen wird, daß ich nicht verpflichtet bin, Ihnen mit meinemNamen entgegen zu treten. Denn es ist bei diesen Betrach-tungen über die Zukunft der nationalen Partei in Preußen ,die der Hinblick auf die nächsten Wahlen mir nahe legte,nicht auf eine Polemik mit Ihnen abgesehen, sondern vielmehrauf die Mitteilungen von Tatsachen und die Darlegung vonBefürchtungen, die jetzt von einer großen Anzahl patriotischgesinnter Männer geteilt werden. Damit sollen dann Vor-schläge verbunden werden, welche zur Beseitigung dieser Be-fürchtungen und der ihnen zugrunde liegenden tatsächlichenVerhältnisse dienen könnten.
Daß ich aber diese Vorschläge zunächst an Sie adres-siere, hat einen persönlichen Grund. Es ist Ihnen in derletzten Zeit mehrfach begegnet, daß die publizistischen Organeder preußischen Regierung sich auf Sie, als auf einen klas-sischen Zeugen gegen die Forderungen der nationalen undliberalen Opposition berufen haben. Dafür sind Sie dannumgekehrt von einem Teil der Presse unserer Parteigenossenhart angegriffen worden. Das eine wie das andere wird Sieim ganzen persönlich wenig berührt nnd nur insofern betrübthaben, als Ihnen daraus die Erbitterung des neubelebtenStreites zwischen der Regierung und einem Teil der national-gesinnten Liberalen Preußens recht fühlbar entgegengetretenist. Aber gerade diesen Streit durch Ihr ^kräftiges Wort