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Preuße" immer wieder doch in etwas wenigstens korrigiertwerden kann, sich die Majorität der Bevölkerung in eine er-bitterte Opposition wirft? Ich meine, die Schleswig-Holsteinerund Hessen z. B. haben hinlänglich gezeigt, wessen eine er-bitterte Opposition fähig ist, die noch dazu gewiß dadurch nichtabgeschwächt werden wird, daß sie sich auf enttäuschten Hoff-nungen auferbaut. Daß aber Sie, der Sie, wie kaum einanderer, den deutschen Einheitsstaat schon ganz deutlich heran-wachsen sehen, besonders großes Gewicht darauf legen müssen,daß es Preußen gelingt, die neuerworbenen Provinzen sich soeinzuverleiben, daß sie nicht nur gezwungen und widerwillig,sondern in nicht allzu ferner Zeit mit dem freien Geständ-nisse, durch Preußen in allen ihren Interessen gefördert undgehoben zu sein, in den Großstaat aufgehen, gerade dieserUmstand ist uns ganz besonders zur Veranlassung geworden,diese Briefe mit Ihrer Adresse zu schmucken. — Doch zur Sache!
Sie haben völlig recht, wenn Sie wiederholt in IhrenSchriften auf das beispiellose Glück hinweisen, das bisherder Gründung des Norddeutschen Staatskörpers gelächelt habe.Hat Preußen seine Siege im Jahre 1866 der Überlegenheitder Bildung seiner Armee über die österreichische in ersterLinie zu verdanken: das Wort des großen italienischen Diplo-maten und Heerführers, daß von allen Zufälligkeiten nichtszufälliger sei als der Ausgang einer Schlacht, verliert auchin seiner Anwendung auf die Kämpfe in Böhmen seine An-wendbarkeit nicht. Und wie günstig hat sich seit jenen großenTagen, deren Gefahren man nur mit dem Glauben tapferentgegentreten konnte, daß die ganze Entwicklung unseresVaterlandes eine große Lüge gewesen wäre, wenn sienicht siegreich bestanden werden würden, die ganze Weltlagegestaltet! Von den beiden Erbfeinden der einheitlichen Ge-staltung Deutschlands ist der eine durch innere Zerwürfnissenach den ungeheuren Verlusten des letzten unglücklichen Kriegesso schwach, daß er selbst in seiner Agonie nicht mehr allzugefährlich werden könnte, und der andere noch nicht so weit