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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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herunter, daß er, um den Gefahren seiner inneren Zuständezu entgehen, alles auf eine Karte setzen müßte. Und eheRußland , das allerdings deutschnationale Interessen in seinenOstseeprovinzen verletzt, ernstlich mit uns anbindet, müssengleichfalls seine eigenen Zustände sich ganz anders gebesserthaben, als es für ein Menschenalter dazu Aussicht vorhandenzu sein scheint. Und wie ist nun von uns diese günstige Zeitbenutzt worden? Anfänglich gewiß mit der nötigen Energieund auch mit dem besten Erfolge. Denn wenn auch die nord-deutsche Bundesverfassung allzusehr den Stempel des Mannesträgt, der die ganze Bewegung geleitet hat, wenn sie auch,was allerdings viel schlimmer ist, für die Zukunft stets solcheStaatsmänner erfordert, um sie im Gange zu halten, welchedem Grafen Bismarck an gebietendem Ansehen, klarer Einsichtund rücksichtsloser Willenskraft gleich stehen, so ist sie dochimmerhin ein großes Werk und vielleicht das beste, das unterden gegebenen Umständen zu erreichen war. Aber genügt esschon jetzt, wird es die Reibungen, in die es mit anderengegebenen Größen kommen muß, so überwinden, daß es nicht,selbst in seiner Entwicklung zurückgehalten, bald einrostet undunbrauchbar wird? Wie stehen die treibenden Kräfte unseresVolkslebens zu ihm? Was sagen ihm die verschiedenen Par-teien nach?

Es ist ja zwar natürlich, daß die Morgensonne, die deinEmporblüheu unseres jungen Staatslebens allzu glänzend undfreundlich gelächelt hat, bald wieder von Nebeln verdunkeltwerden mußte. Daß aber die Aussicht in die Zukunft sotrübe und unerfreulich in kurzer Zeit werden könne, als sie jetztselbst nicht allzu begehrlichen Geistern erscheint, das hatten dochwenige erwartet. Man hat sich, um das allgemeine Miß-vergnügen zu erklären, auf allerlei Parallelen aus der Ge-schichte berufen und namentlich auch die allgemeine Verstim-mung in England angeführt, die dem Freudenräusche nachder Ankunft des großen Orauiers und der Vertreibung derStuarts so rasch gefolgt sei. Die Bemerkungen, die Macaulay