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Herr von der Heydt sei gefallen, als er keine der politischenParteien mehr für sich gehabt habe, so dürfte es wahrlichjetzt auch an der Zeit sein, ihn fallen zu lassen. Und dochhat er den in richtiger Erkenntnis der unüberwindlichen ihnumgebenden Schwierigkeiten vor zwei Monaten erbetenen Ab-schied nicht erhalten!
III.
Bei der Lektüre meines zweiten Sendschreibens wirdIhnen und manchem anderen Leser, so hoffe ich wenigstens,zwischen den Zeilen heraus die Empfindung entgegengetretensein und sich Ihnen auf alle Weise fühlbar gemacht haben,die mich bei dessen Abfassung nicht verließ. Wenn dieDinge, welche du da zu berichten hast, so dachte ich, nichtangenehm zu lesen sein werden, so sind sie doch noch vielunangenehmer niederzuschreiben; und in diesem Falle ist es,wie so oft im Leben, viel schmerzlicher, an etwas erinnernzu müssen, als daran erinnert zu werden. Und dochwar es unumgänglich nötig, an diese Schattenseiten des preu-ßischen Gouvernements, wenn auch nur mehr andeutend alsausführend und die Daten mehr auswählend als aufzählend,zu erinnern. Denn man muß sich doch alles das vergegen-wärtigen, wenn mau die Stimmung begreifen will, die sicheines großen Teiles der Bevölkerungskreise bemächtigt hat,welche entweder gleichgültig den politischen Umwälzungen von1866 zugeschaut haben oder ihnen sympathisch entgegen-gekommen sind. Daß ich hier keine Rücksicht auf die prin-zipiellen Feinde der Neugestaltung Deutschlands nehme, werdenSie bei dem Zwecke meiner Briefe leicht begreiflich finden.Derselben sind ja auch, wenn wir von einigen Zentren desPreußenhasses absehen, verhältnismäßig viel weniger als manim allgemeinen zu glauben geneigt ist; und von Einfluß aus dieallgemeine Stimmung und bei den Wahlen gefährlich werden sienur da, wo die Masse der politisch Indifferenten, durch ver-