ein Märchen aus alten Zeiten". Als anlangst die Nachrichtdurch die Zeitungen lief, der weinberühmte Gasthof „Zu dendrei Mohren" in Augsburg, in dem der deutsche Bundestagsein seliges Ende gefunden habe, sei an ein Konsortoriumverkauft worden, haben sich Wohl nicht wenige gefragt, wannsie zum letzten Male an diese erst vor acht Jahren be-grabene Repräsentation der deutschen Uneinigkeit gedacht haben,und diesen Zeitpunkt nicht mehr auffinden können. — Ebensoergeht es bei anderen Veranlassungen und, wenn es irgendwonicht möglich ist, ein Politisches Institut so ganz zu ver-gessen wie den Bundestag, so hat sich die Stimmung ihmgegenüber doch schon so wesentlich verändert, daß lvir unsfür befähigt halten, denselben schon jetzt ganz objektivhistorisch zu beurteilen. Die deutsche Gutmütigkeit Pflegt dabeischon häufig, selbst mehr als recht ist, sich geltend zu machenund für mildernde Umstände zu plädieren, so daß vielfachstatt eines historisch gerechten Urteils schließlich ein humo-ristisch gefärbtes zum Vorschein kommt.
So ergeht es uns namentlich in dem ehemaligen Kur-staate Hessen . Wir sehen, lvie billig, von den wenigen ab,welche hier ihre deutsche Treue am besten dadurch dokumen-tieren zu können glauben, daß sie fortwährend die RegierungKaiser Wilhelms mit dem Scptennat des Königs JeromeNapoleon vergleichen. Wir lassen auch jene außer acht, derengeistiges Sehvermögen sich in dem nicht selten vorkommendenkrankhaften Zustande befindet, daß ihnen die mancherlei klei-neren oder größeren Unannehmlichkeiten der Gegenwart, anden Ungeheuerlichkeiten der Vergangenheit gemessen, doch alsdas größere Übel erscheinen. Bei dein großen übrig bleibendenReste der hessischen Bevölkerung, der nicht zu diesen Lob-rednern der vergangenen Zeiten gehört, hat doch die früherallgemein herrschende Verbitterung über das unqnalifizierbareRegiment unserer letzten „angestammten" Fürsten und ihrerHelfershelfer einer weniger herben und schneidenden, kaumanders als mit humoristisch zu bezeichnenden Beurteilung