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gezeichnet. Als er während der Teuerung des Jahres 1843bemerkt hatte, daß sich im Ministerium des Innern garkeine offiziellen statistischen Nachrichten über Hessen fanden,aus denen man eine Übersicht über die Bodenproduktion undden Getreidekonsum in Kurhessen gewinnen könne, so hatteer schon im Dezember 1843 die Einsetzung einer statistischenKommission beantragt. Es wurden damals in sie mehrerehöhere Beamte und der bekannte Nationalökonom B. Hilde-brandt von Marburg berufen.
Bis zum Juni 1844 hatten diese Männer eine In-struktion für sich entworfen und sie ans Ministeriumzur Genehmigung eingesandt. Hier ruhte sie unerledigt biszum April 1846. Als sie dann von Koch, der damals dasMinisterium des Innern wieder übernahm, genehmigt war,starb der Präsident der Kommission, Hildebrandt trat außerFunktion, und der Kurfürst weigerte sich standhaft, neue Mit-glieder zu crnenneu. In konsequenter Weise ist darauf dieStatistik, welche gerade auf der Landesuniversität Marburg durch Achenwall zuerst, wenn auch nur vorübergehend, indie Reihe der Universitätsdisziplincn aufgenommen wordenwar, bis zum Untergang des Kurstaates als eine Neuerungmit argwöhnischen Blicken an höchster Stelle verfolgt worden.Entbehrte man aber in den leitenden Kreisen Hessens indieser Weise gar vielfach jedes Verständnisses für die Wich-tigkeit statistischen Materials, wie könnte man an dieser Stelleeine nur halbwegs verständige Einsicht in die nationalökono-mischen Gesetze vermuten? Roschcrs bahnbrechendes Buch über„Kornhandel und Tcuernngspolitik" war damals nochnicht erschienen und prinzipiell unterschieden sich die Maß-regeln, die 1847 in vielen deutschen Staaten, das König-reich Sachsen ausgenommen, zur Bekämpfung des Not-standes ergriffen wurden, keineswegs von denen, mit welchenKoch in Hessen ihm begegnen zu können glaubte. Bringtman nun noch dazu in Anschlag, mit welchen Hindernissenein hessischer Minister in Kassel stets zu kämpfen hatte, und