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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
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zu deren Beschaffung ungefähr 2 300 000 Taler nötig waren.Koch konnte noch dazu mit-solchen Angaben auf den Kurprinzenum so weniger Eindruck zu machen sich versprechen, als beidiesem unmittelbar die Eingabe eines Gutsbesitzers (von Butt-lar?) eingelaufen war, in der ausgeführt wurde, die Orts-vorstände seien bei der Aufzeichnung der Fruchtvorräte inganz leichtsinniger Weise Verfahren und es sei ihnen deshalbdurchaus kein Vertrauen zu schenken.

Da aber nun doch von den verschiedensten Seiten immerbedrohlichere Nachrichten über den eintretenden Kornmangeleintrafen, und Koch sich gar nicht mehr zu helfen wußte,beantragte er in der letzten Sitzung des Staatsministeriumsdes Jahres 1846 (30. Dezember), weitere 2500 Viertel Fruchtaufkaufen zu dürfen. Um den Widerstand des Kurprinzengegen diese Maßregel zu brechen, schlug er vor, eine Kommis-sion aus Staatsdienern zu ernennen, die sich des besonderenVertrauens Sr. Königlichen Hoheit erfreuten,um mittelsteiner Umreise durch das Land ermitteln zu lassen, ob und anwelchen Orten ein Notstand bis zur nächsten Ernte mit Rechtzu besorgen und in welcher Weise demselben vorzubeugenoder derselbe zu vermindern sei, ohne zu große Opfer für dieStaatskasse." Zu dieser Kommission wurden gewählt derStaatsrat Scheffer, der Oberfinanzrat Gschwind und der Ober-baudircktor Bromcis. Der letztere sollte namentlich begut-achten,ob und welche öffentliche Bauten, und mit welchenKosten, in den verschiedenen Kreisen vorzunehmen seinmöchten." Der Ausschuß der Stündekammer hatte nämlich beiVerwerfung des proponierteu Gesetzes über den Fruchthandelmit Recht darauf hingewiesen, daß das beste Mittel, derdrohenden Hungersnot entgegenzutreten, die Beschaffung vonArbeit für die ärmeren Klassen sei und dazu namentlich dieInangriffnahme von nützlichen Straßenbauten vorgeschlagen.Bei der politischen Spannung, dse damals in ganz Hessen infolge der Auflösung der Stäudekammcr herrschte, konnte esnatürlich nicht fehlen, daß man dem Ministerium bei Er-