Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

342

wirklich baldigst Fürsorge werde getroffen werden müsse, bnrchHerbeischaffnng von Lebensmitteln unter Mitwirkung des Staa-tes Abhilfe für die Bedrängten herbeizuführen."Fast an allenOrten" leide die ärmere Volksklasse, während in einigen Krei-sen bei den größeren Gutsbesitzern noch bedeutende Frucht-vorräte lagerten. Überall spreche sich das Verlangen aus,der Staat möge den Arbeitern Verdienst durch öffentlicheBauten schaffen,was unstreitig als das wirksamste Mittel,wahrer Not zu begegnen, erkannt werden muß." Dieser sounbestimmt gehaltene Bericht konnte Koch natürlich nicht znrGrundlage für eine Schätzung des Bedarfs an Getreide dienen.Noch weniger konnte er dein Kurfürsten gegenüber verwertetwerden, um dessen rein formale Bedenken zu beseitigen. Nurum die Dringlichkeit der Inangriffnahme öffentlicher Bauten,namentlich der für das Land höchst nötigen Stcaßenbautenzu motivieren, bot er eine bestimmte Handhabe. Diese wurdeauch sofort ergriffen und eine Reihe von Vorschlägen zum Banvon Straßen und Vizinalwegen gemacht. Aber seine König-liche Hoheit fand sich nicht veranlaßt, auf dieselben, welchevorläufig nur die Summe von 13 000 Talern in Anspruchnahmen, einzugehen. Später wurde dann allerdings ein Teiljener Summe auf einen neuen Antrag Kochs hin verwilligt,weitere Beschlußfassung aber bis auf den Schlußbericht derNotstandskommission vertagt. Dieser konnte nun vor EndeMärz kaum erwartet werden, wie denn in der Tat ihr sechsterund letzter Bericht, der sich mit den Kreisen Hanau und Gelnhausen beschäftigte, erst am 23. März einlief. Imwesentlichen lauteten alle Berichte ziemlich gleich unbestimmt.Nur in einem Teile des Kreises Schmalkalden und im KreiseSchlächtern wollte man einen wirklichen Notstand bemerkthaben und hatte auch eine Petition auf eine kleine QuantitätGetreide für Schlächtern gestellt.

Auf Grund sämtlicher Berichte stellte nun Koch in derHauptsitzung des Staatsministeriums vom 25. März den An-trag, öffentliche Arbeiten, namentlich Straßenbauten, bis zur