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echten Katholiken als gut katholisch anerkannten Kirchenbegriffals den des Protestantismus ausgab, der in Anspielung anein Buch Otto Bährs „über den Rechtsstaat" von der „bären-haften Idee eines Rechtsstaats" redete und in seinen: Blättchengegen Eisenbahnen und Feuerversicherung zeterte oder zeternließ, in unserem Jahrhundert und in einem deutschen Lande,dessen Grenzen doch nicht mit Brettern zuzunageln waren, vonbestimmendem und leitendem Einfluß auf die große Mehrheitdes Volkes sein und bleiben können!^) Der klerikale Abso-lutismus, den Vilmar vertrat, hat in Hessen wie überall,wo er einmal zur Herrschaft gelangt ist, dieselben Wirkungenhervorgebracht, die das Morphium auf den leiblichen Orga-nismus des Menschen ausübt: anfänglich anregend und be-lebend, dann aber um so rascher alle gesunden Kräfte er-schlaffend und zerstörend. Welchen Dienst dieser Mann seinemHcimatlandc und seinem Fürsten in entscheidender Stundegeleistet hat, war freilich bis vor wenigen Jahren nur incingcwcihtercn Kreisen bekannt. Durch den oben erwähntenAufsatz H. v. Shbels ist derselbe jetzt aktenmäßig festgestelltworden. Da er mit einem Wendepunkt der deutschen Ge-schichte aufs innigste zusammenhängt, mag er hier mit wenigenWorten nochmals erzählt werden. Als im September 1850Hassenpflng mit seinen Mitteln gegen den gesetzlichen Wider-stand des hessischen Volkes zu Ende war und beschlossen hatte,den von Österreich restaurierten Bundestag zum Eingreifenin Hessen anzurufen, mußte er den schwankend gewordenenKurfürsten von Kassel entfernen. Es gelang ihm dies nurdurch die Lüge, die er seinem Fürsten vortrug, die Soldatenmeuterten in der Kaserne, das Palais solle angesteckt werden.Ohne sich von der Richtigkeit dieser Behauptung zu überzeugen,
1) In: Jahre 1851 schrieb Vilmar u. a. den Hessen vor, amLandetzbußtage zu beten: „Laß den Geist der Kraft auf dem Kur-fürsten ruhen, damit er nach Deiner Vollmacht die Frevler strafe."„Frevler" waren alle, die über Kirche und Staat anders dachten alsdieser Zelot.