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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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aller Well gegen die Folgen einer fortgesetzten MiszregierungVerwahrung einlegen." Damit mag man den Satz Bährs(Seite 50) vergleichen:Es ist daher ganz unrichtig, wennman die Verhältnisse Knrhessens so darstellt, als ob das ganzeVolk unter einem schweren Drucke geseufzt hätte." Daß dieZustände in Kurhessen damals höchst bedenkliche waren, hattesich auch die nächste Umgebung des Kurfürsten gesagt, und dieAgnaten der Familie waren gleichfalls nichts weniger als be-ruhigt über sie.

Und nun ging die große deutsche Frage über sie unaufhalt-sam auf! Man kann sich leicht vorstellen, wie der Kurfürst undseine willfährigen Minister ihr zunächst ratlos gegenüber-standen. Die Stände drängten znm Anschluß an Preußen .Das war genügend für den Kurfürsten, von allem anderenabgesehen, zu Österreich hinzuneigen, das mit allen möglichenVersprechungen bei der Hand war. Die Fürstin von Hanan,die jetzt gegen den früheren Brauch die Gesandten Öster-reichs und Bayerns persönlich empfing, fürchtete für die Fa-miliengüter in Böhmen . Die Entscheidung der großen Fragewar damit den Intriguen in der Familie Hanan preisgegeben.Diese war in sich gespalten, aber ihre antipreußischen Gliedersiegten. Am 14. Juni Mittags telegraphierte die fanatischantipreußische Fürstin Wächtcrsbach, die älteste Tochter desKurfürsten, nach Frankfurt :Wir haben gesiegt", und derKurfürst ließ an demselben Tage für den österreichischen Antragstimmen. Ein Sohn des Kurfürsten, der wenige Tage dar-auf den österreichischen Gesandten Grafen Paar bei dein Auf-räumen seiner Siebensachen traf, soll dagegen diesem gesagthaben:Da packen Sie wohl auch die Armeekorps mit ein, dieSie meinem Vater versprochen baben?" Als an: 15. Juni diegroße Angelegenheit in einem Ministerrate stundenlang nocheinmal verhandelt wurde, und die Minister sehr kleinlautgeworden waren, fing der Kurfürst zu schwanken an. Schließlichbegab er sich in das Zimmer der Fürstin von Hanau undkehrte nach einer Viertelstunde mit den Worten in das Kouseil