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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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der aus Vertretern der Ritterschaft, der Höchstbesteucrteu, derStädte und Landgemeinden gleichmäßig zusammengesetzt war,damit dieser geeignete Vorschläge mache, um die notwendigstenNeuerungen in den Gang zu bringen. Am 24. Novembernahm die Ständekammer eine kräftige Adresse dieses Aus-schusses an den Kurfürsten an, welche die traurige Lage desLandes schilderte und schließlich sagte: man habe hier nichtalles vorgebracht, was man hätte vorbringen können; aberdas Gesagte werde genügen:um einen Regenten, der dasBewußtsein seines hohen Berufs und seiner heiligen Pflichtenbesitze, zu den entsprechenden Entschließungen zu veranlassen."Der Kurfürst nahm diese Adresse, die ihm persönlich über-reicht werden sollte, nicht an, sie wurde durch den Landtags-kommissar entgegen genommen und ml nein gelegt. Am17. Oktober des folgenden Jahres berichtete der landständischeAusschuß der Kammer, daß auch während der Vertagungder Stände beinah auf allen Gebieten des Staatslebens voll-ständiger Stillstand geherrscht hätte, und der Referent fügtehinzu:Die Minister möchten doch bedenken, daß die Be-schwerden des Landes schwere Anklagen enthielten, die, wennsie nicht bald Abhilfe fänden, dahin führen könnten, Um-wälzungen zu veranlassen, bei welchen die SelbständigkeitKurhesseus verloren gehen könnte." Darauf wurde die Stäude-versammluug auf unbestimmte Zeit vertagt. Als sie am 24. Ja-nuar 1866 wieder zusammentrat, konstatierte der landstän-dische Ausschuß den andauernden Stillstand des Staatslebensdurch Schuld der kurfürstlichen Regierung, und im März des-selben Jahres wurden abermals keine Vorlagen gemacht, dader Kurfürst beharrlich seine Genehmigung zu solchen ver-weigerte. In einer ausführlichen Erklärung vom 14. Märzverwahrte sich die Ständeversammlunggegen die unaus-bleiblichen Folgen solcher Mißregierung" mit 42 gegen 5und 44 gegen 1 Stimme, und 33 Mitglieder erklärten gegen14:sie wollten nicht den Vorwurf der Mitschuld auf sichladen, sondern die Stimme des Landes laut erheben und vor