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Kind nach der Schlacht bei Leipzig für die Erhaltung undWiederanfrichtnng habe danken müssen" usw. usw. beruft, sohatte er offenbar dabei vergessen, wie er Preußen und seinenVettern Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. diesen Dankdurch seine Politik faktisch abgetragen hatte. Mir ist es un-zweifelhaft, daß neben dem legitimistischen Starrsinn die festeZuversicht, er werde wie sein Großvater doch einmal als ganzsouveräner, von keiner Macht auf Erden abhängiger Fürstnach Hessen zurückkehren, den Kurfürsten bestimmt hat, alleAnerbietungen, selbst des siegreichen Preußens , abzulehnen.Daß die Einmischung Frankreichs in die Nikolsburger Ver-handlung den Entschluß, Hannover, Kurhessen usw. zuannektieren, erst zu einem unwiderruflichen gemacht hat, ist be-kannt genug. Der Kurfürst verkündete trotzdem am 1. Januar1867 seinen um ihn im „Englischen Hof" in Frankfurt ver-sammelten Getreuen, er werde demnächst nach Kassel zurück-kehren.
Aber hätte nicht der mutmaßliche legitime Thronfolger,der Prinz Friedrich von Hessen-Rumpenheim, leicht an dieStelle des unzugänglichen Kurfürsten geschoben werden unddadurch die weitere Selbständigkeit Knrhessens ohne Gefähr-dung der preußischen Interessen aufrecht erhalten werdenkönnen? Auch das hatte Preußen versucht, war aberbei diesem Prinzen, dem durch das Londoner Protokoll schondie dänische Königskrone entgangen war, auf eine Fülle vonlegitimistischer Selbstverblendnng gestoßen, welche der des Kur-fürsten gar nichts nachgab, sie vielleicht noch übertraf. Manhatte den Prinzen nach Berlin kommen lassen und ihm ange-tragen, er solle mit den preußischen Truppen für den Fall, daßder Kurfürst sich gegen Preußen entscheide, in Kurhessen ein-marschieren und die Regierung provisorisch übernehmen. DerPrinz, bei seiner Abreise von Rumpenheim von seiner ganzlegitimistisch gesinnten Gemahlin, der Tochter des PrinzenKarl von Preußen, ermähnt, sich ja nicht etwa in Berlin gegendas Haupt seiner Familie gebrauchen zu lassen, und hierinHartwig, Aus dcm Lcbcn. 25