82
KAPITEL V.
zum Verkauf nach Frankreich gebracht. In St. Martin be-steht dabei gleichfalls die Praxis die Früchte auf dem Baumzu verkaufen; doch gibt es hier keine gewerbsmässigen Auf-käufer, sondern die Obstbaumbesitzer sollen diesen Gewinnmöglichst den ärmeren Leuten zuzuwenden suchen.
Eine andere Art Handel mit dem wenigen Obst, dassie haben und nicht selbst geniessen wollen, treiben dieLeute im vorderen Weilerthal. Dies wird nämlich den Obst-händlern und Gemüsegärtnern der Ebene, namentlich ausKestenholz und Schlettstadt, die ihre Waaren zum Verkaufin St. Die durch das Thal durchführen, nicht in Commissiongegeben, sondern fest verkauft.
Ebenso gering wie der Umfang dieses Handels ist derAbsatz, den die in Gereuth und Diefenbach gezogenenFrüchte auf den Märkten in Kestenholz und Weiler und das inder Umgebung von Weiler, z. B. in Bassenberg, Erlenbach,St. Martin, Breitenbach wachsende Obst auf dem dortigenMarkt findet.
Neben die Consumtion und den Verkauf stellt sich alsdritte Vcrwerthungsart des Obstes die Verwendung zur Pro-duktion von Schnaps, Oel, Aepfelwein und Essig.
Die Destillation der Kirschen ist insbesondere im ganzenhinteren Weilerthal, und hier wieder vorzüglich in den Ge-meinden mit ausgedehntem gebirgigen Areal, wie Grube undLaach sehr verbreitet. In Grube soll ungefähr die Hälfteder Kirsclienernte gebrannt, die andere Hälfte verkauft wer-den, wogegen anderswo noch mehr der Destillation zufällt.
Die Methode derselben ist folgende: Im Juli werden dieKirschen unzerquetscht in grosse Fässer geworfen, und dortzwei Monate lang der Gährung überlassen. Das Fass wirdhierauf dicht verkorkt. So bleiben die Kirschen bis zurWeinernte und bei Leuten, die Fässer genug haben, nochbis in den Januar und Februar hinein liegen. Soll dannzum Brennen geschritten werden, so wird die Masse in einenKessel geworfen und erwärmt, der Dampf in dem sogenanntenHut aufgefangen und mittelst einer Röhre in tropfbaremZustande in steinerne Krüge geleitet, von wo er als fertiger