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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL VI.

schlechten Reste kostet hier nur 56 Sou, für grösserewerden dagegen 1620 Sou verlangt. In Weiler hat sicheine Kaufinannsfrau dieses Bedürfniss der Weilerthaler zuNutze gemacht und einen Handel mit solchen Bobinen an-gelegt. Allein die schon erwähnte Gleichgültigkeit gegen dieZurücklegung grosser Entfernungen bewirkt, dass die Leutenur dann, wenn sie in Rothau zu wenig eingekauft haben,das Fehlende in Weiler holen, da sie hier 90 Pfg. für dasPfund bessere Reste bezahlen. Die gekauften Bobinenwerden dann meist zu vieren auf dem Spinnrade zusammengesponnen,gezwirnt, und zwar härter für die Kette alsfür den Einschuss, welche Verschiedenheit durch verschiedenschnelles Drehen des Spinnrades erreicht wird. Meistens wirdübrigens die Baumwolle nur für den Einschuss, für die Kettedagegen Leinengarn gebraucht. Diese besseren baumwollenenoder halbwollenen Gewebe werden gewöhnlich zu Hemdenund Tischzeug verwandt.

Der Lohn des Leinewebers wird, wie natürlich, nachder Länge des gewebten Stoffes berechnet. Als Maassstabhierfür gilt nicht der Meter, sondern höchst charakteristischfür jene uralte Gewohnheit die alte Elle, deren Längeetwas über 55 cm beträgt. Für die Elle bekommt nun derLeineweber je nach der Güte dos Stoffes 37, gewöhnlich4 Sou. Da nun der Leineweber täglich nur 45, nur inseltenen Fällen bis 8 Ellen webt, so ist leicht einzusehen,wie gering der tägliche Verdienst eines solchen ist, besonderswenn man bedenkt, dass auch hier öfters der Einschuss ge-spult werden muss. Die Lebenshaltung der Leineweber istdaher keine bessere, als die des Durchschnitts unserer Haus-weber.

Diejenige Hausindustrie, welche nächst der Webereidie grösste Verbreitung im Weilerthal hat, ist die Socken-stopferei. Diese Socken sind nicht, wie wir nach unsererhochdeutschen Ausdrucksweise annehmen würden, niedrigeStrümpfe, sondern vielmehr eine Art wollener Pantoffeln,welche den ganzen Fuss vollständig bedecken. Sie werdennamentlich im südlichen Frankreich vielfach getragen, undzwar gewöhnlich unter den dort üblichen Holzschuhen. Diese