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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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nach dem vereinbarten Typus zu prägen und beiderseitig ihreGeldstücke als Zahlungsmittel anzuerkennen, auf. Und damitwar die Sache fertig. Ja das hier gelöste Band war ein nochstärkeres gewesen als das der lateinischen Union. Denn manhatte sich gegenseitig die Zulassung der Thaler-Münzen als lega-les Zahlmittel garantirt, was, wie schon bemerkt, dort nicht derFall ist. Auch sage man nicht, dafs keiner der beiden TheileVerlust aus dieser Auflösung erlitten habe. Die österreichischenMünzen waren in Folge des daselbst mehrmals eingesetztenPapierzwangscurses gerade so nach Deutschland herüberge-flossen, wie später aus denselben Ursachen die italienischennach den anderen "Vertragsstaaten. Und die Thaler öster-reichischen Gepräges wurden für Deutschland nicht minderein Kreuz, wie die italienischen es für ihre Collegen würden,wenn diese ihr Münzwesen reformiren wollten. Sie liegennoch heute dem deutschen Reich schwer im Magen. Aberkeinem Menschen fiel es je ein, dafs das deutsche Reich aufGrund des Münzvertrags von 1857 dem österreichischen eineRechnung präsentiren könnte, ihm die Thaler des österreichi-schen Gepräges gegen Gold oder sonst was einzulösen. DerBund ruhte eben auf der einfachen Silberwährung, die Er-mächtigimg, Goldmünzen als Handelsmünze (Kronen) zuprägen, war nur ganz accessorisch, ohne in das System ein-zugreifen, vorbehalten worden.

Das Auftauchen dieses falschen Liquidationsanspruchs zeigtrecht deutlich die Falschheit des ganzen Systems der Doppel-währung. Von Hause aus erkennt man die absolute Gleich-berechtigung beider Metalle an, und im Verlauf der Dingerächt sich diese Falschheit dadurch, dafs der eine Theil dasals eine Forderung der natürlichen Gerechtigkeit in Anspruchnehmen mufs, was der andre als ein ganz unberechtigtes,nachträglich erdachtes Einschiebsel zurückweist.

Sind Münzverträge zwischen Staaten überhaupt ein ge-fährliches, höchst unsicheres Ding, so sind sie es doppelt,wenn sie auf dem falschen Princip der Doppelwährung er-richtet werden sollen.