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Blatt steht, gilt nur als eine gegen allgemeine Grundsätze derMoral und des Rechts verstol'sende That. Gleichwohl habensolche Repudiationen zu allen Zeiten bis auf die neusten statt-gefunden, ohne dafs sie zum Gegenstand internationaler Re-clamationen geworden wären, man miU'ste denn den franzö-sisch -mexikanischen Krieg anführen, welcher allerdings davonseinen Ausgang nahm, dafs die Bons Jecker von Morny undConsorten zu Spottpreisen aufgekauft waren und dann aufKosten der französischen Nation eingetrieben werden sollten.Schwerlich wird man das als einen Präzedenzfall malsgebenderNatur hinstellen wollen. Dagegen hat noch nach dem Kriegvon 1866 Oesterreich in Form einer Zwangsreduction derZinsen seiner Staatsschuld eine partielle Repudiation verübt,ohne dafs dies zu völkerrechtlichen Auseinandersetzungen ge-führt hätte.
Neuerdings haben einzelne Regierungen ihren Angehörigendie Unterstützung ihres diplomatischen Einflusses gewährt,um sie vor Verlusten zu bewahren, welche ihnen dadurchdrohten, dafs auswärtige Regierungen sich eingegangenenVerpflichtungen zu entziehen suchten. Allein dies blieben,wie bei Mexiko , stets singulare Vorkommnisse, deren Eigen-heit darin beruhte, dafs gewisse Interessenkreise in der Lagewaren eine diplomatische Pression auf eine auswärtige Re-gierung für sich auszuwirken. Seit Beginn des Jahrhundertshaben eine Menge von Staaten ihre Schuldscheine an Kapitaloder Zinsen nicht gezahlt, ohne dafs darüber völkerrechtlichverhandelt worden wä,re, und es läfst sich auch die Einfüh-rung einer solchen Praxis gar nicht empfehlen, denn sie würdein ihrer Anwendung dahin führen, dafs die Capitalisten ihrGeld den unsolidesten Staaten zu den höchsten Zinsen liehenmit der Beruhigung, dafs bei ausfallender Zahlung die vater-ländische Armee die Execution zu besorgen hätte.
Etwas ganz Anderes ist es um Verpflichtungen, die ausDelikten und Quasidelikten eines Staates oder seiner Staats-angehörigen gegen einen anderen entstehen. Bei gewaltsamenSchädigungen von Personen oder Gütern durch die Schuld