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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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Ansicht ausspräche, dafs die eingetretene Werthverschiebungzwischen Silber und Gold einer Vertheuerung des Goldes zu-zuschreiben sei. Aber er bestreitet dies mit Recht und charak-terisirt die Verschiebung als einen Niedergang des Silbers.Will er nun behaupten, die Schuldner aus älteren Verträgenhätten ein wohlerworbenes Recht besessen, von künftigerEntwerthung des Silbers Nutzen zu ziehen? Wäre nichtschon undenkbar, dafs das Gesetz eine Speculation auf diemöglichen künftigen Werthschwankungen des Metalls so zusagen discontirte, so hätte es selbst bei richtiger Voraussichtdieser Eventualität den Schuldnern einen Vortheil und denGläubigern einen Nachtheil verursacht, welche ganz ungerechterNatur wären. Kein Schuldner hat ein Recht zu sagen: ichhabe mit der Contrahirung in Silber die Möglichkeit erworben,von einem künftigen Niedergang des Silbers zu pro-fitiren. Was die Regelung der gesetzlichen Umwandlung-wollen mufs, ist: dafs, soweit berechenbar, die Verträge ineiner Münze vollzogen werden, welche zur Zeit der Erfüllungdem Empfänger dieselbe Quantität Kaufkraft giebt, welchezur Zeit der Contrahirung vorgeschwebt hatte. Und wennGeffcken auerkennt, dafs das Gold nicht theuerer geworden,dafs seine Kaufkraft dem Durchschnitt der anderen Werthegegenüber dieselbe geblieben ist, so ist damit sogar auch der-jenige Theil seines Vorwurfs widerlegt, welcher richtig wäre,wenn erstens eine Vertheuerung des Goldes stattgefunden hätteund wenn zweitens der Gesetzgeber sich darauf einlassenkönnte, künftige Schwankungen voraus zu sehen und im Ge-setz zum Ausdruck zu bringen. Ich habe bei der Reichstags-verhandlung über diesen Punkt meine Ansicht in den Wortenausgesprochen:Weder rückwärts gehende Durchschnitts-normen noch vorwärts gehende Berechnungen haben zu ent-scheiden, in welcher Proportion der Uebergang, die Aus-gleichung der jetzigen Silber- und der künftigen Goldwährunggegriffen werden soll, sondern einzig der Moment, in dem derUebergang bewerkstelligt wird." Diesen Standpunkt vertreteich auch heute noch. Soetbeer in der Einleitung zu seinem