Druckschrift 
Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

53

BucheDeutsche Münzverfassung" würdigt alle diese Fragenund ihre Lösung vollkommen richtig. Skandinavien hat ebenso convertirt wie wir: Dänemark zum Verhältnifs von 15 675,Norwegen zu 15 684, Schweden zu 15 593, Bruchtheile die derAnpassung an die verschiedenwerthigen Speziesthaler wegenfestgesetzt wurden.

Mit dem andren Vorwurf, dafs die Reform in ihrer gröl'stenAufgabe viel zu saumselig durchgeführt worden sei, ist nunwahrlich Geffcken ganz im Rechte. Aber in einer Zeit, inwelcher es Mode geworden ist, es den grossen Herren in derHerabsetzung des Parlaments nachzuthun, wäre es vielleichteine naheliegende Forderung der Gerechtigkeit gewesen, zuerwähnen, welche heftigen xmd unablässigen Anstren-gungen von parlamentarischer Seite gemacht wordensind, um diese Saumseligkeit zu bekämpfen, und wie dieSchuld an diesem grofsen Fehler in allen Stadien ausschlieJ's-lich an der Reichsregierung haften bleibt. Mufsten wir dochschon in das erste Gesetz von 1871 mit Aufwand aller An-strengung das Verbot weiterer Ausprägung von Silbergeldhineinbringen, welches die Vorlage des Bundesraths nicht ent-halten hatte! Und welcher Kampf um die Einziehung desStaatspapiergeldes! Fürst Bismarck drohte, das gänze Gesetzfallen zu lassen, wenn man an dem Bestand des Papiergeldesrüttle! Die Berathuug des Art. 18, des letzten des Gesetzes!wurde in dritter Lesung abgebrochen*), und nur mit Ach undKrach setzten wir in langen Zwischenverhaudlungen eine er-trägliche Fassung durch. Und so Punkt für Punkt, Schrittfür Schritt mufsten die Parlamentarier das Verständnifs fürdie Höhe der Aufgabe gegen die Regierung erkämpfen, biszuletzt doch im Jahre 1879 unter Hinweifs aufden Segendes Auslandes" die Aufspeicherung des Silberrestes verfügtward.

An die Frage nach der Norm der Einlösungspflichtbei Veränderungen, welche durch einen positiven Akt der

*) Sitzung vom 8. Mai 1873.