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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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thatsächlich aus seiner mit blos fictiven Wertlizeichen erfülltenHeimatli gedrängt worden sei, und dai's Italien diese Mit-contrahenten nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen für den soaus Nichterfüllung des Contractes entstandenen Nachtheilschadlos zu halten habe. Dieser Anspruch schöpfte noch be-sondere Kraft daraus, dafs bei Vereinbarung über die jedemStaat seit 1874 zuzubilligenden Höchstbeträge von Silber-prägungen Italien immer für sich besonders grofse Autheilegestützt auf eigenthümliche Bewandtnisse zu erlangen gewufsthatte. Der gröfsere Theil der Verhandlungen wurde auf derConferenz der lateinischen Staaten von 1878 von dieser einzigum Italiens eventuelle Verpflichtungen sich drehenden Streit-frage in Anspruch genommen.

Da heute die Ausdehnung der damals nur Italien gegen-über erhobenen Ansprüche auf die Gesammtheit der Bundes-staaten (in concreto nur auf Belgien ) immer wieder an jeneVerhandlungen des Jahres 1878 anknüpft, und zwar mit Fugund Recht, so ist es unvermeidlich die Debatten über diesenPunkt etwas eingehend wiederzugeben.*)

Der französische Vorsitzende und Finanzminister Sayfährte die Frage von Anfang mit der Erklärung ein, dafs sienur auf Grund des bestehenden italienischen Zwangskursesüberhaupt angeregt werden könnte.Die Liquidation bietetgar keine Schwierigkeit, wenn es sich um ein Land mit me-tallischer Circulation handelt. Aber wenn Italien bei Ablaufdes Vertrags noch die Papierwährung hätte und man ihmsilberne Fünffranken zum Austausch präsentirte, so wärendiese doch nur gleichbedeutend mit Wechseln auf Rom , undda in Folge des Zwangscurses diese Wechsel unter pari ständen,so gäbe es nur zwei Mittel, dem Uebel abzuhelfen, nämlich:entweder den Zwangscurs beseitigen, oder den Verlust aufden Wechsel ersetzen. Könnte man sich schon jetzt dahinverständigen, den Vertrag wieder auf eine längere Periode zu

*) S. Conference monetaire entre la Belgique, la France, la Greee, l'Itälieet la Suisse en 1878. Paris: Imprimerie nationale.