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denken sollen? Noch nicht einmal war die Periode ganzvorüber, in welcher hervorragende Schriftsteller von der„baisse probable de l'or" gesprochen hatten. Wie konnteman damals eine Notwendigkeit der Einlösung der Silber-thaler voraussehen? Die Verpflichtung zur Licpüdation derThaler scheint mir nicht zu existiren, weil sie nicht aus-drücklich festgelegt worden ist. Aber," setzt er hinzu (indemer sich allerdings damals vorsichtiger Weise schon eine Hinter-thür zum Nachgeben gegen Frankreich offen liefs), „was jen-seits des strengen Rechtes liegt, kann ein nothwendiger Aktinternationaler Billigkeit werden. Ueber diesen Punkt sprecheich mich im gegenwärtigen Moment nicht aus."
Der Finanzminister Magliani war noch deutlicher, indemer darauf hinwies, dafs die ganze Liquidationsfrage wegfallenwürde, wenn Italien sein Papiergeld einzöge. (Sitzung vom15. Februar 1881.*)
Bereits im Jahre 1878 war in der Conferenz, welche dieEinstellung aller Silberprägungen beschlofs, zum erstenmaledie Rechtsfrage der gegenseitigen Verantwortlichkeit für denaus dem Minderwerth des Silbers drohenden Schaden auf-geworfen worden. Sie wandte sich aber damals ausschliefslichgegen Italien und zwar deshalb, weil man mit — Uebergehungdes unbedeutenden Griechenland — nur da mit einer nochfortdauernden Papiercirculation zu thun hatte. Die drei anderenVerbündeten, Frankreich, die Schweiz und Belgien , vertratendamals gemeinsam die Ansicht, dafs für Italien besondere,von anderen verschiedene Verpflichtungen entstanden wären.Ihre Deductionen deckten sich sämmtlich in dem Ausgangs-punkt, dafs Italien durch Einführung des Papiergeldes, alsoeines in der grundlegenden Convention von 1865 nicht zu-gelassenen Tauschmittels, sich an letzterer vergangen habe.Man entwickelte, dafs beim Ablauf des Vertrages das italie-nische Silber in den übrigen Staaten sitzen bleiben werde,wohin es nach bekanntem wirtschaftlichen Gesetz und auch
*) Siehe auch den Florentiner Economista vom 30. August 1885.