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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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maligen Standes zurückkehren werde. In der Begeisterungdieser prophetischen Stimmung hatte sich der im Namender Reichsregierung sprechende Redner zu dem berühmt ge-wordenen Schlufswort erhoben:Das Ausland wird uns dafürsegnen, wenn wir den Alp, der nun schon länger als sechsJahre auf allen Yerhältnissen lastet, bleibend von ihm nehmen."

Ein solcherKufs der ganzen "Welt" so zu sagen vonden Lippen des eisernen Kanzlers konnte seine drastische Wir-kung auf die Nationen nicht verfehlen. Einen kurzen Momentlang stieg sogar der Silberpreis um etliche Prozente, und dieFreunde der Doppelwährung, von neuen Hoffnungen erfüllt,schickten sich an, eine neue Bewegung zur Herbeiführung destausendjährigen Reichs ins Werk zu setzen. Während Nord-und Südamerika und Oesterreich sich angelegen sein liefsen,von der jüngferlichen Enthaltsamkeit des Deutschen Reichsnach Kräften Vortheil zu ziehen, indem sie ihr Silber nachOstindien verkauften, rüstete man sich zu einem neuen Welt-congreis, auf welchem, allem Erlebten nach zu urtheilen,Deutschland nicht blofs erscheinen, sondern auch seinem er-habenen Auspruch gemäfs bereit sein werde, seine zum gröi'stenTheil bereits durchgeführte Goldwährung auf dem Altar seinerLiebe zum Ausland zu opfern. Es hiefs, der Präsident derReichsbank selbst werde Deutschland auf diesem Congrefsvertreten, um in eigner Person den Dank der versammeltenNationen für seine Segenspendung zu empfangen; deijenigehohe Beamte, dem das Gesetz zur ersten Pflicht gemachthatte, über die Aufrechterhaltung und Durchführung seinerGoldwährung zu wachen, werde dieselbe mit seinen eigenenpriesterlichen Händen vom Leben zum Tode bringen. DerWeltcongrefs war auf den Monat April 1881 nach Paris be-rufen, und Deutschland hatte richtig sein Erscheinen zuge-sagt. Aber glücklicher Weise wurde seine Vertretung anderenMännern anvertraut. Die Weissagung, dafs die deutsche Ent-haltsamkeit das Silber wieder zu neuer Schönheit verjüngenwerde, hatte inzwischen durch die Thatsachen eine grausameWiderlegung erfahren; und selbst die wunderbare Behauptung,