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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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und ohne Gegenseitigkeit dasselbe gethan. Und die Geschäfte,welche Gelegenheit dazu boten, die italienischen Silberstückenach Frankreich zu bringen, waren Geschäfte wie alle andren.Aus Wohlthätigkeit hat keiner der Empfänger dies Geld an-genommen. Man giebt wohl Geld aus Wohlthätigkeit, aberaus Wohlthätigkeit angenommenes Geld wäre eine neue Er-scheinung.

Wenn nun noch eine gewisse Eechtfertigung aus derThatsache gezogen werden konnte, dafs Italien den Vertragnicht gehalten habe, was kann man Belgien gegenüber be-haupten, welches einzig und allein nie vom Vertrag abge-wichen ist? Auch enthalten die nach dieser Richtung hinvorgebrachten Sätze nicht einen einzigen verwerthbaren Ge-danken. Soweit sie überhaupt für eine Widerlegung fafsbarsind, hat Pirmez dies in der Conferenz und in der belgischenKammer in meisterhafter Weise gethan. Da wo Gernuschi inseiner Schrift sich gegen Belgien wendet, kommt auch schon diebereits oben erwähnte Stelle vor, welche es Belgien zum Vor-wurf macht, dafs seine Bank so viele Wechsel aufs Auslandund so viel Gold bewahre. Auch die Zinsen dieser Wechsel sollBelgien fraudulöser Weise auf Frankreichs Kosten sich heraus-schlagen, wie Italien dies mit seinem Papiergeld thue! Zwi-schen Papiergeld, das nur die Herstellungskosten verlangt, undWechseln, die man zu ihrem vollen Werth kauft, existirte dar-nach kein Unterschied!

Dieses sind die Motive und Forderungen, welche die Unter-lage und die Richtung für die offizielle französische Staats-action abgegeben haben. Und welchen Werth man ihnen auchbeilegen möge, für die allgemeine Nutzanwendung stellt sichstets wieder als belehrendes Ergebnifs ein: solchen Ansprüchen,solchen Zumuthungen setzt sich ein Staat aus, der mit einemandren Münzverträge abschliefst. Dabei ging es mit ganznatürlichen Dingen zu, dafs die führende Stellung in diesenAngelegenheiten trotz der Erfahrung von 1881 in Cernuschi'sHänden blieb. Nicht nur dafs die Finanzminister wechseltenund sich mit den Sorgen um das anschwellende Budget viel

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