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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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auch liier das ganze Vertragsband als eine hemmende undschädigende Fessel bei jedem rationellen Schritt, und so drängtsich auch bei allen diesen schwierigen Distinctionen der vonBelgien angeregte Vorschlag als der allein richtige auf: ausden entstehenden Verpflichtungen der Unionsstaaten eine ge-meinsame Masse zu machen und die daraus herrührendenOpfer nach irgend einem Mafsstabe, sei es nun der der Bevöl-kerungszahl oder ein andrer, umzulegen.

Es läfst sich auch gar nicht behaupten, dafs bei einerAuflösung des Bundes ohne irgendwelche Liquidation die Ver-legenheit für denjenigen Staat eine schädlichere sein werde,welcher mehr Münzen seines Gepräges im Ausland als solcheausländischen Gepräges im Inland hat, folglich auch durchdie faktische, natürliche Liquidation einen Zustrom von Silbererfahren müfste. Wenn dies zu Verlust auf die Valuta diesesStaates führte, so würde dieser Verlust durchaus nicht ein-seitig von den Angehörigen des Staates getragen, dem derUeberschufs an Silber zugeführt wird; es läfst sich leichtnachweisen, dafs wenigstens gleiche Aussichten auf Verlustdenen drohen, welche die Forderung einzukassiren haben.Das hat in der belgischen Kammer Frere Orban in kurzerDarstellung nachgewiesen.

Und endlich, welche Hindernisse und Stockungen würdendem Verkehr auferlegt, wenn diese Liquidationsclausel zurAusführung gebracht werden sollte. Es ward schon obenangedeutet, wie der Mechanismus eingerichtet und gehand-habt werden müfste,*) um Alles so durchzuführen, dafsdie Staaten nicht in die Lage kämen, zwei- oder mehr-mal nach einander dasselbe Geldstück gegen Gold einzu-lösen und dennoch es nicht einzuschmelzen oder umzuprägen.Natürlich müfste Jeder das Empfangene so lange einsperren,bis die Liquidationsfrist abgelaufen, und die Schweiz hatschon dagegen remonstrirt, dafs man diese Frist ihr in un-erträglicher Weise kurz vorschreiben wolle, während Frank-

*) Siehe oben S. 20 u. 21.