Druckschrift 
Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
119
Einzelbild herunterladen
 

119

reich umgekehrt dieselbe Frist wieder zu lang fand. Auchdiese Schwierigkeiten führen zur Nothwendigkeit gemeinsamerAction, d. h. allerdings einer Liquidation, aber einer ge-rechten, als welche die von Frankreich vorgeschlagene nichtangesehen werden kann.

Der ganze Wirrwarr dieses Streites kann nicht treffenderzusammengefafst werden, als es von einem der oben erwäbntenitalienischen Schriftsteller in folgenden Worten geschieht:

Der lateinische Bund zeigt uns heute ein wenig erbau-liches Scliauspiel: die Verbündeten halten ihre Allianz auf-recht einzig zu dein Zweck, um Zeit zu gewinnen, dafs einerauf den andren, wenn möglich, die fatalen Consequenzen desBundes selbst ablade. Es besteht keinerlei Solidarität, keinerleiRecht, keinerlei Discussion; die Namen und die Sachen werdenauf den Kopf gestellt, und unter dem Anschein der brüder-lichen Liebe und höflicher Freundscliaft nennt Frankreich Recht, was nur Furcht ist, achtzig Millionen zu verlieren,nennt Italien internationale Billigkeit die Nothwendigkeit,jenes Gesetz des Stärkeren über sich ergehen zu lassen, wel-ches es im Jahre 1878 unwillig zurückgewiesen hat; ruft Bel-gien die Solidarität und Brüderlichkeit der Verbündeten an,damit sie einen Theil des Verlustes auf sich nehmen, zu demman es verurtlieilen will, aber sein Appell wird für einewunderliche Theorie und sein Widerstand für eine That derFalschmünzerei erklärt." *)

Zur Ergänzung dieses Schlusstableaus nur noch der Aus-spruch des belgischen Delegirten in dem Moment, da er er-klärte, den französischen Zumuthungen gegenüber nicht längeran den Berathungen der Conferenz Theil nehmen zu können:Es wäre schmerzlich für Belgien , sich zum Austritt aus derUnion gezwungen zu sehen, und zu diesem Bedauern überseinen Rücktritt käme das Bedauern, jemals eingetreten zusein!"

*) De Johannis. L'insuecesso. p. 0.