Druckschrift 
Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146

zunehmen; aber da es keine schweizerischen Münzen in aus-reichendem Betrage giebt, so müfsten wir ihr mittelbar oderunmittelbar unsere Zwanzigfrankenstücke in Zahlung geben,und gern als dem aufgestellten Prinzip wären wir sogar nochfür dies unser Gold verantwortlich: wir müfsten den aus seinemAbschliff entstandenen Verlust tragen, und wenn das Gold zusinken anfinge, und das Silber aufschlüge, so wüi'de dieSchweiz kommen und verlangen, dafs wir dieses Gold gegenSilber zurücknähmen. Weil wir das Unglück hatten, für dieSchweiz zu prägen, wären wir in alle Ewigkeit verurtheilt,ihr Gold und Silber zu liefern je nach den Eventualitäten,welche veranlafsten, das eine oder das andere zu verlangen."

Doch, verfolgen wir unsere Untersuchung noch einenSchritt weiter. Wie sind die belgischen Stücke ins Auslandgekommen? Man verlangt von uns, sie gegen Gold einzu-tauschen. Haben wir Gold für sie empfangen? Aber es sindin der Brüsseler Münze beinahe eben so viel Fünffranken-stücke eingeschmolzen worden, als später aus ihr hervor-gingen. Ich will auch davon absehen und nur fragen, habenwir von Frankreich oder von der Schweiz Gold empfangen?Grade das Gegentheil hat stattgefunden. Wir haben zwarSilber dahin geschickt, aber noch viel mehr Gold. Währendder Dauer der Union von 1865 bis 1885 haben wir für580 Millionen Gold und für 350 Millionen silberne Fünf-frankenstücke geprägt. Wie kann man also von uns ver-langen, dafs wir Gold für die Silberthaler zurückgeben sollen,wenn man uns kein Gold für dieselben gegeben hat. Washat man uns denn dafür gegeben? Waaren aller Art. Manhat uns Waaren gegeben für die etwa 150 Millionen bel-gischer Stücke, welche mehr in Frankreich umlaufen als fran-zösische in Belgien , und auch für die mehr als eine halbeMilliarde Gold, welche in Belgien geprägt wurde, und vonder nur ein ganz kleiner Theil in Belgien zurückgeblieben ist,hat man uns Waaren gegeben. Gewifs haben wir Frankreich und der Schweiz diese gewaltigen Beträge nicht zum Ge-schenk gemacht. Belgien hat also mit diesem Gold und Silber