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Ulrich von Hutten
Seite
107
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I.l'7 -

vollerm Hütten, welche Worte!

Hütten: Meinen ganzen Plan habe ich auf dasVolk gebaut. Das Volk dachte ich mir wie einen ge-fangenen Löwen, der an seines Käfigs Eisenstäben sichdie Zähne ausbeißt. Dem Volk wollte ich das Gitteröffnen und es zur Freiheit führen. Ich verkündeteihnen das Morgenrot einer neuen Zeit: sie hörten michgleichgültig an, verstanden mich nicht. Sie wissen nickt,daß sie Knechte sind, fühlen uch wohl in ihrer Sklaven-haut. Las; sie drin verrecken!

Zollern (entsetzt:) Welche Wandlung!

Hütten (bitter!) Das ist die Ernüchterung! Nurder ist fähig frei zu sein, der sich die Freiheit selbsterringt. Willst Du das Gesindel zur Freiheit

zwingen? (schwach:) Die Ernüchterung!--

(zieht die Kapuze über das Gesicht: wehmütig:) Mir ist 10toll im Kopf! Ich kann mich von den Gebilden meinesWahns nicht losreißen, wie mich die Wahrheit auchschüttelt. Mir ist wie einem Unglücklichen, der lstmm-lisch schön geträumt und allmählich in die trübe Wirk-lichkeit hinein erwacht.---Ich muß scheiden, Zollern.

Eins lege ich Dir aus Herz. Ich will nicht, daß Dumeine glänzenden Ideen von ehemals zu verwirklichensuchst. Du würdest daran zu Grunde gehen, wie ich.Unsere Kräfte sind zu schwach, den mächtigen Blockgegen die ewigen Gesetze der Natur den Berg hinaufzu wälzen. Ein kurze Strecke bringen wir ihn vor-wärts. Unser Arm erlahmt. Der Block rollt zurück

und zermalt uns.--Nein, Zollern, Dir soll's nicht

auch so ergehen. Meine einzige Bitte, mein Ver-mächtnis, Zollern: Rette die Opfer meinerVerblendung! Sickingen darf nicht fallen, meinbester Freund darf nicht durch mich verderben! Ichfühle mein Hirn sieden und mein Blut erstarren; ichschaue dem Wahnsinn in die grinsende Fratze!Zollern, erbarme Dich! erbarme Dich! ilange Pause;

sehr erregt Zollerns Hand fassend: zitternd:) Du versprichst?!