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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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war völlig ersetzt durch die freiwillige Prägung der Münz-herren.

Noch einmal die Quintessenz der Parallelwährung: Neben-einander unverbunden ein System von Goldmünzen und ein Systemvon Silbermünzen. Die Münzen können, insofern und weil sie. aus verschiedenem Metall bestehen, in ihrer gegenseitigen Geltungschwanken, aber auch nur, insofern sie aus verschiedenem Metallbestehen; und zwar schwanken sie in ihrer gegenseitigen Geltungdurch die Schwankungen im Wertverhältnisse der Prägemetalle,aber auch nur durch diese Unstetigkeit des Metallwertverhältnisses.

Es erscheint vielleicht unverständlich, warum ich geradedarauf so viel Gewicht lege. Man findet vielleicht merkwürdig,dass ich überhaupt ausdrücklich ablehne, dass die Goldmünzenbeispielsweise in ihrem gegenseitigen Wertverhältnisse sehwankten.Welcher Grund könnte vorliegen, dass der Friedrichsdor nichtimmer genau doppelt soviel gelten sollte wie der halbe Friedrichs-dor? Und dann: Durch ein solches Schwanken innerhalb derGoldmünzen und innerhalb der Silbermünzen, wenn wir es ausirgend einer noch nicht ersichtlichen Ursache als möglich zugebenwollen, hört ja jedes Münzsystem auf, und damit jede Parallel-währung, denn die Parallelwährung ist das Nebeneinander zweierMünzsysteme. Ein solches Schwanken der Münzsorten desgleichen Metalles zugegeben, würden wir uns vor einem reinenMünzchaos befinden, für welches uns jeder Name fehlt. DerVerlauf wird jedoch zeigen, dass diese scheinbar überflüssigeAblehnung nicht unangebracht ist.

Betrachten und prüfen wir nun die mittelalterliche und neu-zeitliche Münzverfassung in Deutschland .

Goldmünzen und Silbermünzen waren nebeneinander in Um-lauf, die allererste Voraussetzung einer Parallelwährung ist alsogegeben.

Beide Gruppen standen zu einander nicht in einem festen Wert-verhältnis. Allerdings gab es zahlreiche gesetzliche Tarifierungen,wie oben bereits ausführlich dargethan worden; aber einmalwurden diese Tarifierungen häufig geändert, manchmal in ganzkurzen Zeiträumen. Eine Unantastbarkeit und Heiligkeit einesbestimmten Wertverhältnisses, wie sie vor nicht langer Zeit fürdie Relationszahl 15beansprucht worden ist und vereinzeltnoch heute beansprucht wird, gab es damals nicht, nicht einmal