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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
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ich speziell die Frage der österreichischen Thaler ausführlich be-handelt, und die Liquidationsfrage des lateinischen Münzbundesim Schlusskapitel in Kürze gestreift. Ich bin dabei aufanderem Wege wie Landesbergerzu demselben Schlüsse ge-kommen, dass nämlich für Österreich weder eine rechtlichenoch eine moralische Verpflichtung Deutschland gegenüber zurEinlösung seiner Thaler vorgelegen habe. Bezüglich des lateinischenMünzbundes lag nach meiner Ansicht die Sache verwickelter;eine rechtliche Entscheidung hielt ich hier für unmöglich,stellte aber als der Billigkeit entsprechend dar die Einlösungder sämtlichen Fimffrankenthaler durch den Bund und die Ver-teilung der aus der Einlösung sich ergebenden Verluste, mög-lichst im Verhältnis der Münzzirkulation, auf die einzelnenStaaten.

Die Schlussfolgerungen bezüglich der österreichischen Thalergründen sich in der erwähnten Schrift weniger auf Rechtssätze, alsauf eine volkswirtschaftliche Theorie. Die juristische Beweis-führung Landesb ergers hatte mich aus Gründen, welche ausdem Folgenden erhellen werden, nicht zu überzeugen vermocht,und eine andere juristische Grundlage für die Entscheidung derFrage vermochte ich nicht zu finden. So stellte ich das ganzeGebäude meiner Beweisführung auf die Theorie, dass bei freierPrägung eines Metalles der Münzumlauf nicht mehr Geld ansich zieht, als er benötigt.Sobald das Bedürfnis nach Um-laufsmitteln den Wert des Geldes um mehr als die Prägegebührüber den Metallwert erhöht, wird es vorteilhaft, Barren zurMünze zu tragen. Sobald Zahlungsmittel im Ubermass vor-handen sind, wird sich der Wert der Hauptmünzen immer mehrihrem blossen Metallwert nähern. Es wird dann nicht nurniemand Barren ausprägen lassen, da er ja dieselben vorteil-hafter auf dem Markt verkaufen kann, sondern es wird fürGoldschmiede und für Exportzwecke gelegentlich vorteilhaftsein, Münzen als Material zu benutzen. Die Zirkulation ziehtalso bei freier Prägung genau soviel Umlaufsmittel an sich, wiesie braucht, und nimmt andererseits höchstens vorübergehendsolche über ihren Bedarf hinaus auf."

Daraus folgerte ich, dass die Einwanderung der öster-reichischen Thaler, welche noch zur Zeit ihrer Vollwertigkeit vorsich ging, den deutschen Münzumlauf in ganz normaler Weise