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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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lieh einzustellen, die ^tatsächlich durch den Mangel an Silber-geld beschränkte Zahlkraft des Silbergeldes gesetzlich zusanktionieren und die Abnutzung der umlaufenden Silbennünzendurch eine unterwertige Ausprägung zu ersetzen, denn man hattedie Goldwährung mit allen ihren Erfordernissen.

Aber die Überführung des aus der thatsächliehen Ent-wicklung hervorgegangenen Znstandes in einen gesetzlich fest-gelegten ging nur sehr langsam vor sich. Einmal waren dieEngländer noch in der Meinung befangen, dass eigentlich dasSilber die Grundlage des englischen Geldwesens sei; man ver-stand den Zustand des englischen Geldwesens nicht und ver-mochte ihn theoretisch und juristisch nicht zu erfassen. Dannwar man mit den vorhandenen Verhältnissen leidlich zufrieden,fühlte sich also wenig zu gesetzgeberischen Aktionen veranlasst.Nur der Mangel an Silbergeld für kleine Zahlungen war Ursacheschwerer Klagen. Alle Reformbestrebungen richteten sich aufdie Herstellung eines ausreichenden Silberumlaufes, und, soparadox es klingt, das Bestreben nach einem ausreichendenSilbermünzumlauf hat in England zur gesetzlichen Einführungder Goldwährung geführt.

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Es hätte ein einfaches Mittel gegeben, den Mangel gründlichabzuhelfen: Man hätte die Wertrelation der gesetzlich bestehendenDoppelwährung durch eine Herabsetzung des Feingehaltes derSilbermünzen zu Gunsten des Silbers ändern müssen, so dassdie Silberprägung für Private lohnend geworden wäre und dieEinschmelzung vollwertiger Silbermünzen keinen Gewinn mehrergeben hätte. Aber in diesem Fall hätte man sich in die Gefahrbegeben, den vorhandenen Goldumlauf zu verlieren, auf Grundderselben wirtschaftlichen Gesetze, vermöge, deren man das Silberverloren hatte. Die bisherigen Erfahrungen hatten eben zudeutlich gezeigt, dass die Doppelwährung nicht die Sicherheit ge-währe, beide Metalle im Umlauf zu erhalten.

Alle sonst denkbaren Massregeln waren von vornherein aus-geschlossen und aussichtslos, solange man nicht mit der gesetz-lichen Doppelwährung brechen wollte. Neuprägungen von Silber-nlünzen halfen nichts, denn da das englische Silbergeld unter-wertet war, wären die neugeprägten Münzen sofort wieder ein-geschmolzen worden. Eine neue Herabsetzung des Nennwertesder Hauptmünze, der Guinea, wagte man nicht vorzunehmen,

Helffericbi Abhandlungen« ß