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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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schwankenden Valuta dieser Länder zugeschrieben. Darüber hin-aus trat die Behauptung auf, auch die industrielle Konkurrenzwerde den Ländern mit Silber- und Papierwährung durch denRückgang ihrer Valuten zum Schaden der nach Gold rechnendenalten Kulturwelt erleichtert. Namentlich der Aufschwung derindischenBaumwollspinnereiundneuerdingsder industrielleAufschwung Japans 1 ) wurde auf die Silberentwertung zurück-geführt.

Es besteht über diese Frage eine so umfangreiche und sobekannte Litteratur, dass ich sie hier nur soweit behandle, alses zur Ergänzung der bisherigen Erörterungen über diesen Gegen-stand und für den Zusammenhang dieser Untersuchung notwendigerscheint.

Die Basis aller Auffassungen über die Wirkung von Valuta-schwankungen auf den Aussenhandel ist die Annahme, dass sichbei den Ländern mit schwankender Valuta der Geldwert iminneren Verkehr nicht oder nicht sofort entsprechend den Ver-änderungen in der Bewertung der Valuta auf dem Weltmarktändert.

Die orthodoxe bimetallistische Theorie behauptet hinsichtlichder Papier - und Silberwährungsländer bewusst oder unbewusstdie absolute L T nveränderliehkeit des Geldwertes im inländischenVerkehr.

Ich sagebewusst oder unbewusst", denn wenn maneinen oder den anderen Vertreter dieser Theorie darüber beiragenwürde, ob er an eine Unveränderlichkeit des inneren Geldwertesbei diesen Ländern glaube, würde er es wohl leugnen. Dagegenliegt diese Grundauffassung nichtsdestoweniger einer Reihe vonabgeleiteten Aufstellungen derselben Personen über die Frage derValutadifferenzen" zu Grunde.

Der prägnanteste Vertreter dieser Anschauung ist wohl HerrWülfing-M.-Gladbach. Nach seiner Ansicht würde die An-nahme eines bimetallistischen Systems seitens der europäischenStaaten auf Grund der Relation von 1: 24 den Silberwährungs-staaten Mexiko, China und Japan uns gegenüber einen dauerndenKonkurrenzvorsprung von 35°/ 0 gewähren 2 ). Augenscheinlich

1 ) Japan ist inzwischen zur Goldwährung übergegangen.

2 ) Protokolle der Silberkommission, I. Bd., S. 505.