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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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liegt seiner Aufstellung die Ansicht zu Grunde: Wenn der Silber-wert nicht auf sein früheres Verhältnis von 1 : 15'/ zum Gold-wert gehoben wird, sondern nur auf ein Verhältnis von 1 : 24,so ist das Resultat, dass auch der Wert des mexikanischen etc.Silbergeldes nicht auf sein früheres Verhältnis zum europäischenGeld gebracht wird. Seine Entwertung diesem Gelde gegenüberwird nicht mehr so gross sein wie jetzt, aber statt 1:1 zustehen, wird dieses Geld der Silberländer unserem Geld gegenüberim Verhältnis von 15'/ 2 :24 entwertet sein, also um 35°/ 0 - Umnun zu behaupten, dass dadurch diese Länder uns gegenübereinen Schutzzoll oder eine Exportprämie von 35°/ 0 gemessenwürden, muss Herr Wülfing annehmen, dass die Entwertung desSilbers und Silbergeldes, welche schon vor 25 Jahren begonnenhat, nicht den mindesten Einfluss auf die Preisbildung unddie Gestaltung der Produktionskosten in diesen Ländern aus-geübt hat.

Demselben Gedankenkreis gehören die von bimetallistiseherSeite des öfteren aufgestellten Behauptungen an, dass die ver-schiedenen Valutaregulierungen, die österreichische, welche denGulden auf 1,70 Mark, die russische, welche den Rubel auf2,16 Mark, die indische, welche die Rupie auf 16 d. befestigenwill, dass diese Valutaregulierungen die Valutadifl'erenzennicht beseitigen, sondern verewigen" würden.

Lässt sich eine Valutadifferenz verewigen? Augenscheinlichnur dann, wenn die Veränderungen des Geldwertes, wie sie aufdem Weltmarkt in Erscheinung treten, auf die Entwickelung derPreise und Produktionskosten innerhalb der nationalen Grenzenin Zeit und Ewigkeit nicht den mindesten Einfluss haben können.

Nur unter dieser Voraussetzung könnte die orthodoxebimetallistische Theorie auf Richtigkeit Anspruch machen.

Die Thatsache, dass Preise und Produktionskosten, dieja keine starren und unveränderlichen Formen sind, sondern sichstetig im Flusse befinden, von den Wertbewegungen des Geldesbeeinflusst werden, ist nicht zu leugnen und ist meines Wissensbewusst und mit klaren unzweideutigen Worten bisher nur inder politischen Agitation, nicht aber in der Wissenschaft an-gefochten worden.

Freilich ist die Wirkung, welche ein Valutarückgang aufdem Weltmarkte für die Gestaltung der Preise und Produktions-

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