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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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nicht gedeckten, von 555 Mill. M. an metallisch gedeckten Noten..Ich glaube", setzte er hinzu, dass Sie mit mir davon ausgehenwerden, dass wir, wenn wir über die Sicherheit unsrer Geld-verhältnisse beruhigt werden wollen, mit Notwendigkeit auf nichtweniger als eine solche Deckimg von etwas über die Hälfte der um-laufenden Noten rechnen müssen."

Wir enthalten uns hier einer Kritik der für und gegen dasvorgeschlagene Kontingentierungssystem und die Bemessung derKontingente vorgebrachten Beweismittel. Wir sind ja, nachdemdas Bankgesetz, und mit ihm das System der indirekten Kon-tingentierung des ungedeckten Notenumlaufs, zwei Jahrzehntelang in Kraft ist, der Notwendigkeit einer aprioristischen Ar-gumentation überhoben. Die bis jetzt vorliegenden Erfahrungengeben uns eine zuverlässigere Grundlage für die Beurteilung derZweckmässigkeit des im Bankgesetz enthaltenen Kontingentierungs-systems, als die einleuchtendsten deduktiven Gedankenkom-binationen.

II.

Wenn wir es unternehmen, zu untersuchen, ob das Systemder indirekten Kontingentierung, wie es das Bankgesetz enthält,seinen Zweck erfüllt hat, und' ob nicht unvorhergesehene undunerwünschte Wirkungen zu Tage getreten sind, so können wirdiese Untersuchung füglich auf die Beichsbank beschränken,denn diese allein kommt für das deutsche Geldwesen wirklichin Betracht.

Es handelt sich zunächst darum, wann Kontingentsüber-schreitungen vorgekommen sind, und unter welchen Verhältnissen;

unter 100 M. waren Ende 1873 17872 Mill. Thlr. in Umlauf, davon ca.100 Mill. in Abschnitten von 10 Thlr. und weniger (siehe Sten. Ber. d. R.1874/75, S. 150). Nach einer Schätzung Camphausens (Sten. Ber.1874/75, S. 167) glaubte man, dass durch die Beseitigung der kleinen Noten-abschnitte der Gesamtnotenumlauf sich um ca. 90 Mill. Thlr. verringernwürde. Bliebe als voraussichtlicher Notenumlauf unter Zugrundelegung desUmlaufs ultimo 1872 u. 1873 ein Betrag von 1080 Mill. M. Zieht man inAnbetracht des Umstandes, dass der Notenumlauf am Jahresschluss grösserist als im Durchschnitt, von dieser Summe 80 Mill. M. ab, so erhält manals durchschnittlichen Normalumlauf den der Schätzung Michaelis' ent-sprechenden Betrag von 1 Milliarde M.