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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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ob in diesen Fällen die 5% ige Notensteuer die vorausgesetzteund gewünschte Wirkung gehabt hat, den Diskont über 5°/ 0 zuerhöhen; ob diese Erhöhung in Rücksicht auf die Verhältnissedes Geldwesens geboten war, oder ob sie nur wegen der Be-stimmungen des Bankgesetzes erfolgte; ob schliesslich, falls derDiskontsatz unter 5 % geblieben ist, Gründe für die Beibehaltungdes niedrigeren Diskontsatzes vorhanden waren, uud welcheGründe.')

Die Tabellen im Anhang, welche nach den Verwaltungs-berichten der Reichsbank zusammengestellt bezw. berechnet sind,geben über die meisten dieser Funkte Aufschluss.

Aus Tabelle I ergiebt sich, dass die Reichsbank in den zweiersten Jahrzehnten ihres Bestehens (bis Ende 1895) das ihr zu-gewiesene Kontingent ungedeckter Noten in 19 Berichtswochenüberschritten hat. Von den 19 Kontingentsüberschreitungenfallen nur 5 auf das erste Jahrzehnt (18761885), die übrigen14 kommen auf das zweite (18861895).

Es zeigt sich ferner, dass diese Kontingentsüberschreitungenso gut wie ausnahmslos auf die Quartals- und Jahresschlüssefallen. 11 von den 19 Uberschreitungen fallen in die mit dem

30. September und 31. Dezember endigenden Berichtswochen;6 fallen auf die erste Berichtswoche im Oktober und Januar.Nur einmal zeigt auch die Wochenübersicht vom 15. und vom

31. Oktober eine Kontingentsüberschreitung, und zwar imJahre 1890.

Die Kontingentsüberschreitungen verteilen sich auf 9 Jahre.

Die Reichsbank hat also nur in seltenen Fällen ihr Kontingentüberschritten, und zwar ausschliesslich in Fällen, wo es galt,eine regelmässig zu bestimmten Zeiten wiederkehrende Steigerungdes Geldbedarfs zu befriedigen. Im grossen Ganzen dagegen istsie mit ihrer ungedeckten Notenausgabe erheblich unter derKontingentsgrenze geblieben. Nach Tabelle II desAnhangs zeigt dasJahr 1890 den grössteiiDurchschnittsumlauf von ungedeektenReichs-banknoten (bis 1896) mit 152 084000 M., während damals dassteuerfreie Kontingent der Reichsbank etwa 288 Mill. M. betrug.

') Da diese Abhandlung im Jahre 1896 geschrieben ist, ist in ihr nurdie Zeit bis zum Ende des Jahres 1895 behandelt. Die neueren Erfahrungenwerden hier in dem beigefügten Nachtrag besprochen.Helfferioh, Abhandlungen.