Berechnen wir aus den Zahlen der Tabelle II den durch-schnittlichen Umlauf von ungedeckten Reichsbanknoten fürlängere Zeiträume, so finden wir für das Jahrzehnt 1876—1885die Zahl 109 688 000 M., für das Jahrzehnt 1886—1895 dieZahl 61 411000 M. Der durchschnittliche Umlauf ungedeckterReichsbanknoten in der Zeit von 1876—1895 belief sich auf85 550 000 M. In Beziehung gesetzt zu dem jetzigen steuer-freien Kontingent der Reichsbank von 293 400 000 M. hat alsoder ungedeckte Notenumlauf der Reichsbank im Durchschnitt derseit der Begründung der Reichsbank bisher verflossenen 20 Jahrenur etwa 29% betragen.
Der ungedeckte Notenumlauf der Reichsbank ist also in derThat, wie die Urheber des Bankgesetzes gewünscht hatten, inner-halb sehr enger Grenzen geblieben, und zwar hat sich der Durch-schnittsumlauf im zweiten Jahrzehnt des Bestehens der Reiehs-bauk nicht unerheblich gegenüber dem ersten Jahrzehnt verringert.Allerdings, ob diese Thatsache die Folge des Systems der in-direkten Kontingentierung ist, ob der ungedeckte Notenumlaufder Reichsbank nicht auch ohne Kontingentierung sich innerhalbdieser engen Grenzen gehalten hätte, das ist eine Frage, derenEntscheidung nicht ohne weiteres möglich ist, und die wir hierzunächst auf sich beruhen lassen.
Prüfen wir nun die Wirkung, welche die 5%ig e Noten-steuer auf den Diskontsatz der Reichsbank ausgeübt hat.
Wir erinnern uns, dass es die Intention des Gesetzgeberswar, durch die 5°/ 0 ige Steuer die Notenbanken zu nötigen, im Falleder Kontingentsüberschreitung den Diskontsatz so weit zu er-höhen, dass er die Notensteuer zahle.') Man setzte allgemeinvoraus, dass die Notensteuer diese beabsichtigte Wirkung habenwerde, und man hielt es für ausgeschlossen, „dass die Bankenunter Umständen aus ihrer eigenen Tasche etwas zu dem Zins-fuss zulegen würden." 2
Tabelle I belehrt uns jedoch, dass nur bei den Kontingents-überschreitungen voml5.und31. Oktober und am 31.Dezember 1890der Bankdiskont mehr als 5°/ 0 betrug, nämlich o l / 2 "/ 0 , dass bei9 Kontingentsüberschreitungen der Bankdiskont gerade auf 5°/ 0
') Siehe das Citat aus den Motiven oben S. 155.-) Sten. Ber. 1S74/75, S. 1270 Ii'.