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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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welche ihr z. B. Gold für das Ausland entziehen, ohne dass einsicherer Rückfluss aus der Natur dieser Bewegungen zu erwarten

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wäre. Den Ansprüchen ersterer Art kann die Bank mit Ruhegegenüber stehen, denn der erfahrungsgemäss mit Sicherheit ein-tretende Rückfluss von Noten und Bargeld in den ersten Wochendes neuen Jahres oder Quartals giebt ihr die Gewissheit, dass dieeintretende Steigerung des Notenumlaufs eine vorübergehende istund keine dauernde Schwächung ihres Status bedeutet. Ansprüchedieser Art für den periodisch sich steigernden inländischen Geld-bedarf erfordern also keine scharfen Gegenmassregeln. Anderssteht es mit den unregelmässigen Ansprüchen, namentlich wennsie den Zweck haben, aus der Bank Gold zu Exportzwecken zuentnehmen. Besonders in Zeiten eines starken internationalenGoldbedarfs, wie zu Beginn der 80er Jahre, als die VereinigtenStaaten und Italien in beträchtlichem Umfang Gold an sichzogen, handelt es sich für die Zentralbank darum, frühzeitigenergische Massregeln zu ergreifen. Ahnlich liegen die Verhält-nisse, wenn infolge eines Aufflamniens des Spekulationsgeistes zuungewöhnlicher Zeit an die Bank starke Ansprüche gestellt werden;auch hier sind frühzeitige und eventuell scharfe Diskonterhöhungengeboten, um den Geldmarkt zu warnen und die Spekulation durchA'erteuerung des Zinsfusses zu erschweren.

Für die Diskontpolitik ist deshalb nicht nur die Grösse,sondern vor allem auch die Art des Geldbedarfs massgebend;das System der indirekten Kontingentierung vermittelst der5%igen Steuer berücksichtigt nur den ersteren Faktor.

Damit ist erklärt, warum die Reichsbank häulig einen Diskontvon ö ü / 0 und mehr hielt, und warum sie gerade ihren höchstenDiskont von 6 % zu Zeiten hielt, als keine Kontingents-überschreitung vorlag.

2. Massgebend für eine vernünftige Diskontpolitik hat vorallem die Sicherheit des Geldumlaufs zu sein. Aber auf deranderen Seite sind die Interessen der gesamten Volkswirtschaftan billigem Diskont so grosse, dass der Diskont in Rücksichtdarauf nicht höher gehalten werden soll, als es die Sicherheitdes Geldumlaufs erfordert.

Nun wird die Sicherheit des Geldwesens durch eine aufregelmässigen, vorübergehenden Steigerungen des Geldumlaufsberuhende Mehrausgabe von ungedeckten Noten nicht bedroht,