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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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erneuernden Privilegiums ausreichen würden, um der Reichsbankdie Erfüllung ihrer Aufgaben ohne störende Reibungen zu er-möglichen.' Die starke Anspannung des deutschen Geldmarkteswährend der letzten Jahre, welche die Reichsbank zu einerschärferen Diskontpolitik nötigte, als es sich irgend Jemand vorvier bis fünf Jahren hätte träumen lassen damals hielt dieReichsbank vom 3. Februar 1894 bis zum 11. November 1895ununterbrochen einen Diskontsatz von nur 3%> regte doppeltzum Nachdenken über diese Frage an, und weite Kreise wolltenin den gesteigerten Zinssätzen der Reichsbank den Beweis dafürsehen, dass der Maschine, welche für den über Erwarten grossgewordenen Betrieb zu klein sei, zu viel zugemutet werde. UmAbhilfe zu Schäften, müsse man die Reichsbank im Einklang mitdem "Wachstum der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissevergrössern, man müsse ihre eigenen Mittel (Grundkapital undReservefonds) stark erhöhen, und man müsse ferner die durchdas System der indirekten Kontingentierung allzu stark ein-geschnürte Notenausgabe durch eine Erweiterung des steuerfreienNotenrechtes der Reichsbank erleichtern.

Kein Zweifel, dass bei der Forderung einer beträchtlichenKapitalserhöhung und Kontingents-Erweiterung viel Unkenntnisund Unklarheit mit unterlief, namentlich soweit die bestehendenhohen Zinssätze in direkte Beziehung zu den angeblich unge-nügenden Mitteln der Reichsbank gebracht wurden. Man über-sieht gar zu leicht, dass der Zinsfnss der Zentral-Notenbankenden Zinfuss des oft'enen Marktes nur innerhalb sehr engerGrenzen regulieren kann, dass er vielmehr umgekehrt im wesent-lichen abhängig ist von den Verhältnissen des gesamten nationalenGeldmarktes; daran kann auch die stärkste Erhöhung des Grund-kapitals einer Notenbank nichts ändern. Man hat ferner inweiteren Kreisen nicht beachtet, dass die Reichsbank in denletzten Jahren auch ohne Notensteuer, bei völlig freier Noten-ausgabe, ihren Diskontsatz nicht niedriger hätte halten können,als sie es that; denn nicht die engen Schranken des steuerfreienNotenkontingents, sondern die grosse Anspannung ihres gesamtenStandes, die durch die Steigerung der Kreditansprüche bewirkteAusdehnung des Notenumlaufes und Verschlechterung der Noten-deckung haben die Reichsbank zu ihrer scharfen Diskontpolitikgenötigt: x\lles Thatsachen, welche auf dem an und für sich so