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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
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anwächst, muss sich entweder auf der Aktivseite der Barvorratvermehren oder auf der Passivseite die Summe der täglichfälligen Verbindlichkeiten vermindern. 80 weit also infolge derKapitalserhöhung die Vorteile einer vermehrten Anlage nichteintreten, wird sich eine Verminderung der nicht bar gedecktentäglich fälligen Verbindlichkeiten ergeben und damit eine un-mittelbare Kräftigung des Standes der Bank.

In der That fallen mit dieser letzteren Möglichkeit die beidengegen eine stärkere Kapitalsvermehrung geäusserten Bedenkenzusammen. Die Befürchtung, es werde in geschäftsstillen Zeitenein grosser Teil der Mittel der Bank brach liegen, die Rein-gewinne und mit ihnen der Reichsanteil am Reingewinne könntendadurch eine erhebliche Schmälerung erfahren und die Bankkönne dadurch zum Ankaufe von Effekten genötigt werden,beruht auf der Möglichkeit, dass die Kapitalserhöhung nicht eineentsprechende Steigerung der Anlage zur Folge haben werde.So weit diese Befürchtung zutrifft, wird sie durch gewisse Vorteileaufgewogen; denn soweit die Kapitalserhöhung nicht durch ge-steigerte Kreditansprüche an die Reichsbank absorbiert wird, magzwar die Bank in stillen Zeiten in Verlegenheit kommen, wiesie ihre Gelder unterbringen soll, aber dafür werden ihr in Zeiteneines grösseren Geldbedarfes mehr Mittel zur Verfügung stehenals jetzt, und sie wird deshalb in Zukunft eine starke Inanspruch-nahme leichter ertragen können als in den verflossenen Jahren;gewiss ein Vorteil, der schwerer wiegt, als eine Verminderungder Reinerträge.

Leider ist diese zweite Alternative, weil eben die Kapitals-erhöhung nicht neue Mittel schallt, sondern nur vorhandene Mittelden Platz wechseln lässt, die weniger wahrscheinliche; damitverlieren zwar die Bedenken gegen die verstärkte Kapitals-erhöhung an Gewicht, aber gleichzeitig vermindert sich dieAussicht auf diejenigen Vorteile, von welchen sich die Anhängerder stärkeren Kapitalserhöhung hauptsächlich leiten Hessen . Undwenn die Frage der Kapitalserhöhung von allen Punkten desneuen Gesetzes die am meisten umstrittene war, so mag es wohlsein, dass die Erfahrung der nächsten zehn Jahre die überschwäug-lichen Erwartungen der Einen ebenso enttäuschen, wie die Be-fürchtungen der Anderen zerstreuen wird. Man wird zufriedensein dürfen, wenn die breitere Grundlage, auf welche die Reichs-