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Periode 1876/80, dem ersten Jahrfünft des Bestehens der Reichs-bank, 267-6 Mill. M., in den letzten fünf Jahren 1894/98dagegen 754'1 Mill. M. Während die Spannung des erstenJahrfünfts sich mit dem damaligen Kontingent der Reichs-bank ungefähr deckte, ist die Spannung des letzten Jahrfünftszweieinhalbmal so gross als das Kontingent. Die Folge ist, dassdie Kontingcnts-Überschreitungen immer häufiger geworden sind,obwohl der ungedeckte Notenumlauf der Reichsbank im Jahres-durchschnitt bisher stets erheblich hinter ihrem Kontingent,zurückgeblieben ist. Während in den ersten fünf Jahren über-haupt keine Kontingents-Überschreitung vorkam, brachte dasJahr 1898 deren 16; — ein volles Drittel aller in diesem Jahrveröffentlichten AVoehenübersichten wies Kontingents-Über-schreitungen auf! Dabei sind in den letzten Jahren nicht etwaKrisen eingetreten, sondern es hat nur eine allerdings unge-wöhnlich starke Geschäftstätigkeit stattgefunden. Auch wennman dem Rechnung trägt, so bleibt doch immer noch eine sehrbeträchtliche Erweiterung der normalen Schwankungen desdeutschen Geldbedarfes übrig, wie schon daraus hervorgeht, dassauch vor dem Beginne des neuen industriellen Aufschwunges dieReichsbank eine stetige Zunahme der Spannungen zwischenMinimum und Maximum ihres ungedeckten Notenumlaufes zuverzeichnen hatte.
Diese Spannungen betrugen nämlich:
1876/80 .... 267-6 Millionen Mark
1881/85 .... 302-5 „
1886/90 .... 566-7
1891/95 .... 619-5Ein steuerfreies Notenkontingent von nicht ganz 300 Mill. M.kann gegenüber solchen Schwankungen des Geldbedarfes langenicht mehr als genügend angesehen werden. AVollte die Reichs-bank den häufigen und starken Kontingent-Überschreitungenentgegenwirken, so müsste sie durch eine scharfe Diskontpolitikihren durchschnittlichen Notenumlauf künstlich auf einem Niveauhalten, welches von ihrem durchschnittlichen Barvorrat wesentlichübertrollen würde. Die Folge wäre, dass sie in normalen Zeitenjede Fühlung mit dem Geldmarkt verlieren würde.
Die Reichsbank hat es jedoch vorgezogen, die immer häufigereintretenden Kontingents-Überschreitungen als etwas Natürliches