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Studien über Geld- und Bankwesen / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
233
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dürfte, würde es für die ganze Situation der Reichsbank, dieeben doch das Rückgrat des deutschen Geldwesens darstellt,einen ganz wesentlichen Unterschied machen, wenn sie statt deszur Erfüllung ihrer Aufgaben nicht notwendigen Teiles ihresSilbervorrates entsprechend mehr Gold in ihren Kassen hätte.Die neuere Gestaltung der Dinge liess den Thalerrest doch ineinem etwas bedenklicheren Lichte erscheinen, als in dem einesunschädlichen Schönheitsfehlers. Auch Ludwig Bamberger , dessenVerdienste um die Begründung und Verteidigung der deutschenGoldwährung für alle Zeiten unvergesslich sein werden, hat sichzu dieser Ansicht geneigt, und er hat in den letzten Monatenseines Lebens eine nur dem engsten Kreise zugänglich ge-wordene Denkschrift über die Verminderung des Thalerbestandesausgearbeitet, Avelche vielleicht bei Gelegenheit veröffentlichtwerden wird.

Während so die Nachteile unserer hinkenden Goldwährungim Verlauf der letzten Jahre wieder deutlicher in die Erscheinunggetreten sind, haben sich die Verhältnisse in anderer Beziehunggünstiger für die Beseitigung dieses Missstandes gestaltet. Derbimetallistische Gedanke hat einen so vollständigen Schiffbruchgelitten, class er wohl kaum mehr imstande sein wird, eine ver-nünftige Massregel zu hintertreiben, bloss deshalb, weil sie nichtbimeta 11 istisch ist oder weil sie bimetallistische Empfindungenverletzt, Seit England erklärt hat, niemals seine Goldwährungpreisgeben zu wollen, seit Indien sich geweigert hat, selbst beiEinführung der Doppelwährung in Frankreich und den Ver-einigten Staaten die Silberprägung wieder freizugeben, seit Russ-land und Japan die Folgerung aus der Lage gezogen und ihrenUbergang zur Goldwährung bewerkstelligt haben, seitdemkönnen nur noch gänzlich unpraktische Träumer und gänzlichunbelehrbare Fanatiker den Sieg des internationalen Bimetallismuserwarten und in Rücksicht darauf die Erhaltung unseres Thaler-bestandes befürworten. Die Aussichtslosigkeit des Bimetallismusmacht es vielmehr einem jeden, dem es ernstlich um solideGeldverhältnisse zu thun ist, zur unabweisbaren Pflicht, einerendgiltigen Ordnung unserer Münzverhältnisse auf dem Bodender Goldwährung zuzustimmen, falls nicht die Kosten einersolchen Reform in einem offenkundigen Missverhältnis zu dendurch sie zu erreichenden Vorteilen stehen sollten.